




Noch sind wir nicht zufrieden“, resümierte Ute Middel zur Halbzeit des Neuenbürger kip-Marktes im Schlossgarten am Samstagabend. Die Ursache für den diesmal sehr zurückhaltenden Besucherzuspruch war schnell ausgemacht: die Hitze.
„Ich hoffe aber, dass morgen mehr Besucher kommen“, so die Markt-Initiatorin. Und ihre Hoffnung sollte erhört werden: Der gestrige Sonntag „lief erheblich besser, trotz der Hitze; man muss sich wundern“, sagte Uwe Middel, der seiner Frau bei der Organisation des Marktes tatkräftig unter die Arme greift.
Aussteller Burkchard Freihoff war extra aus dem nordrhein-westfälischen Willich angereist, um mit seinen vorwiegend aus Kupfer und Glas gefertigten Objekten das Interesse der Besucher zu wecken. Doch der Künstler hatte es schwer, und das nicht nur wegen der Temperaturen: „Die Leute haben ihre Gärten inzwischen oft voll mit Objekten aus dem Baumarkt“, so Freihoff, dessen oft florale Arbeiten überwiegend draußen ihren Standort haben. Was früher ausschließlich Kunsthandwerker produziert hätten, würde heute oft in Masse und viel zu günstig in Garten- und Baucentern angeboten.
Freihoffs Kollegin Stina Tummel aus Flörsheim zeigte sich zuversichtlicher. „Die Atmosphäre hier ist toll, und man hat Platz für seine Arbeit“, sagte sie. Sie habe nicht nur gute Gespräche geführt, sondern einiges verkaufen können. Die Künstlerin konnte mit ihren „Weibsbildern“ viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die oft fülligen Damen balancieren auf Eisenstangen, fliegen scheinbar mühelos mit gespreizten Armen über das Gras oder sitzen im Schatten des Standes. Nur wenige Meter entfernt sind die Metallarbeiten Timothy Salts zu finden, der ebenfalls Premiere in Neuenbürg feierte. Aus alten, teils verbogenen Sägeblättern fertigt er Masken, die aus der Ferne betrachtet wie afrikanischen oder asiatischen Ursprungs wirken. Erst bei näherem Hinsehen wird offenbar, dass die Gesichter aus Eisenschrott geformt sind – ebenso wie Salts andere Objekte, die, auf dem Rasen verteilt, mal an Kriegsgerät, mal an urzeitliche Wesen erinnern. „Das hier sind für mich optimale Bedingungen, denn auf Märkten mit wenig Platz kann ich mich nur schlecht präsentieren“, so Salt.
Das Spektrum der angebotenen Dinge beim Neuenbürger kip-Markt reichte von A wie Amulett bis hin zu Z wie Zeitmesser. Ausdrucksstarke Schmuckstücke waren im Schatten der Bäume ebenso zu finden wie Steinmetzarbeiten, Bilder und Zeichnungen, die neben textilen Arbeiten in der hellen Sommersonne farbenfroh um die Wette strahlten. Um Christoph Grosses aus Bronze gefertigte Klangschalen sammelten sich zahlreiche Besucher. Aus zweierlei Gründen: um herauszufinden, wie man durch bloßes Reiben mit den Händen Töne erzeugen kann, und um das Nass zu spüren, dass bei der Hitze für angenehme Abkühlung sorgte.
Autor: Ralf recklies | Neuenbürg






