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17.09.2010

Ein Sendemast als Wahrzeichen

MÜHLACKER. Das Wahrzeichen von Mühlacker, der Sender, feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Durch seinen Bau im Jahre 1930 wurde Mühlacker im ganzen Land bekannt.

Wenn man den von 1918 bis 1945 amtierenden Oberbürgermeister Richard Woerner später fragte, wie denn die kleine, damals noch Dürrmenz-Mühlacker heißende Gemeinde mit ihren etwa 5000 Einwohnern zu seinem „Großsender“ gekommen sei, dann pflegte er schmunzelnd zu antworten: „Wie die Jungfrau zum Kind.“ Denn als ein Postrat aus Stuttgart ihm einen Rundfunksender angeboten hatte, willigte er spontan ein. Mühlacker eignete sich aufgrund der guten Bodenleitfähigkeit hervorragend als Sendergebiet.

Mit dem Bau der Sendeanlage des SWR am 21. November 1930 wird Mühlacker zur Stadt erhoben. Der erste Teil des Namens „Dürrmenz“ verschwand. Mühlacker erhielt den Beinamen „Senderstadt“ und ist bis heute einzige Große Kreisstadt im Enzkreis.

Der damalige Hauptmast galt mit 190 Metern als höchster Holzturm Europas. Dieser fiel aber dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Der heutige Hauptsendemast mit 270 Meter Höhe und einem Durchmesser von 1,60 m wurde 1949 von Hand erbaut.

Leitender Ingenieur des Senders, Johannes Regniet, sagt: „In der Zeit, in der der Sender aufgebaut wurde, war die Mittelwelle das einzige Verbreitungsmedium, um Menschen mit Nachrichten, Informationen und Unterhaltung zu versorgen.“ Mittlerweile wird aus Mühlacker auf Mittelwelle mit einer Reichweite von rund 300 Kilometern Webradio SWR cont.ra gesendet. Auf Ultrakurzwelle (UKW) wird SWR4 gesendet. Viele Orte in Baden-Württemberg werden damit erreicht.

Der Hauptsendemast ist gegen verschiedenste Wetterlagen gewappnet. Starke Gewitter und Sturmböen bis zu 200 Kilometer pro Stunde lassen ihn lediglich ein wenig schwanken. Gesichert wird er von Stahlseilen, die fest im Boden verankert sind.

Die Sendeanlage war ursprünglich für rund 50 Mitarbeiter ausgelegt. Durch die fortgeschrittene Technik werden heute nur noch neun Mitarbeiter für die Wartung benötigt. Diese müssen die Signallampen an der Spitze des Masts austauschen und den Steigmast überprüfen.