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16.05.2008

Mädchen verschleppt: Rentner erneut verurteilt

KNITTLINGEN/PFORZHEIM. Ein „genetischer Fingerabdruck“ hat den Dauer-Camper von Freudenstein der „vollendeten Freiheitsberaubung“ überführt. Viele Stunden lang befand sich nachts laut Urteil der Strafkammer in Pforzheim des Landgerichts Karlsruhe ein zehnjähriges Mädchen im Wohnwagen des 72-jährigen Elektrikers, der auf dem Campingplatz in Freudenstein stand.

Das hat am Freitag das Landgericht mit einem Jahr Haftstrafe ohne Bewährung geahndet. Der noch bestehende Haftbefehl wurde erneut ausgesetzt.

Hautspuren des Kindes am Bett

Im Verlauf der zweitägigen Verhandlung hatte Vorsitzender Richter Andreas Heidrich aus den etwa 20 Zentimeter dicken Prozessakten die DNA-Analyse der Kripo zitiert, nach der am Bettlaken im Wohnwagen des Campers Spuren von der Haut des Mädchens gefunden worden waren. Somit folgte die Strafkammer des Landgerichts weitgehend dem Urteil des Amtsgerichts Pforzheim, das vor Weihnachten zu einer ähnlichen Bewertung der Ereignisse vom 25. und 26. August 2007 auf dem Campingplatz bei Knittlingen gekommen war.

Diesmal aber versuchte das Gericht, sich nicht allein auf die Aussagen der Schülerin abzustützen. Richter Heidrich warf dem pensionierten Elektriker aus Bönnigheim vor, eine „abstruse und inkonsequente Story“ aufgetischt zu haben.

Sein Verteidiger Alexander Knecht aus Bietigheim plädierte auf Freispruch, weil sich das Kind um etwa zwei Uhr in der Nacht nach dem Gang zur Toilette im Wohnwagen geirrt haben könnte. Der Angeklagte habe deshalb in seinem Vorzelt geschlafen.

Staatsanwältin Carola Heitlinger verlangte in ihrem Plädoyer 15 Monate Haft. Der Angeklagte habe das Mädchen vom Weg auf der Anlage „weggeschnappt, in seinen Wohnwagen verbracht und zugedeckt“. Eine Verwechslung der Caravans auf dem Gelände sei „nicht möglich gewesen“. Der Rentner hatte während der gesamten Verhandlung geschwiegen. 13 Zeugen hatte die Strafkammer vorgeladen. Ein Gutachter hielt dem zuvor nicht vorbestraften Ex-Camper vor, eine „pädophile Nebenströmung“ zu haben. Bisher habe er aber „ein unauffälliges Leben geführt“.

Ihm gegenüber hatte der Senior während seiner Untersuchungshaft in Stammheim eingeräumt, vor 36 Jahren seine Tochter als Kind sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Heilbronn hatte das Verfahren laut Gericht aber eingestellt. Wegen Übergriffen gegenüber seiner Enkelin hatte ihn seine Familie aus der gemeinsamen Wohnung verbannt. Deshalb befand sich der Dauer-Camper im August 2007 auf der Anlage in Freudenstein. Er wurde nach der Tat der Anlage verwiesen und sein Wohnwagen verkauft.