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26.05.2009

Maulbronn: Klostergeschichte

Maulbronn: Klostergeschichte

Mulenbrunnen“ – ein Name mit Auftrag

In abgeschiedener Lage gründen 1147/48 Zisterzienser auf den von Walter von Lomersheim und Bischof Gunther von Speyer gestifteten Grundstücken die Abtei „Mulenbrunnen“. Der Name ist Programm: Er verweist auf die ideale geografische Tallage des Klosters an den Salzachquellen (= Brunnen) und kündigt dessen Erfolgsgeschichte als florierendes Wasserwirtschaftsunternehmen an (mulin = Mühle). Architektur von Klausur und Wirtschaftshof bilden mit der Kulturlandschaft ein geschichtsträchtiges Ensemble.

Frühgotische Innovation

1178 wird die Pfarrkirche eingeweiht. Gegen 1200 steht die Klausur in ihren romanischen Grundzügen, ehe der sogenannte Paradiesbaumeister im Kreuzgang eine neue Gliederung vornimmt und im gesamten Komplex frühgotische Formen einführt. Paradebeispiel dafür sind Paradies und Herrenrefektorium. Brunnenhaus, Laienrefektorium und Spitalgang stammen auch aus dieser Zeit. Die stattlichen Bauten des Wirtschaftshofes beurkunden den Machtgewinn des Klosters zur Mitte des 13. Jahrhunderts.

Gotische Modernisierung

Ab 1361 sind die Pfalzgrafen bei Rhein Schutzherren des Klosters und rüsten es zur Bastion gegen die Württemberger auf. Daneben erfährt dessen Kernbereich Ende des 13. und im 14. Jahrhundert eine gotische Modernisierung. Kapitelsaal, Kreuzgang, Brunnenhaus, Arbeits- und Studierräume zeugen davon. Ebenso die Kirche mit ihren großen bemalten Maßwerkfenstern und Wappenfriesen im Mönchschor. Ein Reformabt ergänzt den Bau mit Stifterkapellen und lässt sie malerisch überarbeiten sowie mit einem Netzgewölbe ausstatten.

Maulbronn unter den Württembergern

Die Württemberger setzen sich gegen die Pfalzgrafen durch und herrschen ab 1504 über Maulbronn. 1556 – im Zuge der Reformation – installieren sie im Kloster die bis heute bestehende Schule, deren Anforderungen der Klausurtrakt angepasst wird. Maulbronn behält zwar seine politische wie wirtschaftliche Macht, ähnelt strukturell zusehends aber einer schwäbischen Kleinstadt. In diese zieht der Herzog repräsentativ ein: Um 1600 wird das Jagdschloss im Renaissancestil errichtet.

Machtverlust und Imagewandel

Mit der Säkularisation verliert Maulbronn 1803 sein politisches Gewicht, gewinnt jedoch an symbolischem Wert. Das Kloster wird zur Ikone eines geeinten deutschen Reiches verklärt und musealisiert. Damit gehen plakative Umbauten einher, die sich u.a. an prominenter Stelle verewigt haben. Maulbronns Wahrzeichen – der dreischalige Brunnen – ist einer solchen „schöpferischen“ Rekonstruktion zu verdanken. Heute versucht man, die Bausubstanz zu erhalten und die Gebäude zu schonen.

Seit 1993 ist das Kloster Maulbronn als UNESCO-Weltkulturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.