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24.02.2011

Mit Laserpointer geblendet? Richter schlichtet Streit

MAULBRONN/MÜHLACKER. Ausgerechnet bei einem Prozess sind sich zerstrittene Nachbarn aus Mühlacker einen Schritt näher gekommen. Das Amtsgericht Maulbronn sprach eine 58-Jährige aus Mühlacker frei. Ihr war vorgeworfen worden, den Nachbarjungen mit einem Laserpointer verletzt zu haben. Sofern die Frau den Heranwachsenden beleidigt hat, ist das juristisch nicht mehr von Belang, da die Familie den entsprechenden Strafantrag zurückgenommen hat.  

Zwar blieb unklar, warum genau sich die Parteien aus Mühlacker seit Langem nicht recht grün sind, fest steht aber, dass es im vergangenen Jahr sogar am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Auseinandersetzung gab. Deshalb kam es nun zum Wiedersehen vor dem Maulbronner Amtsgericht. Unstrittig war, dass die Frau den Nachbarsjungen und einen Freund am 26. Dezember abends dabei beobachtet hatte, wie sie Schnee- oder Eisklumpen in Richtung einer Straßenlaterne warfen. Auch wenn die Jugendlichen angeblich nur Eiszapfen abschiessen wollten, faßte die Frau diese Aktion als versuchte Sachbeschädigung auf. Deshalb brüllte sie aus dem Fenster, die Burschen sollten damit aufhören. Die zogen sich daraufhin in die Nähe einer Garage zurück, nahmen die Lampe aber weiter ins Visier. Die Frau wiederum war verärgert und leuchtete auf die Straße hinunter . So geriet sie in den Verdacht, einen gefährlichen Laserpointer verwendet zu haben.

 

"Ich habe gar keinen Laserpointer", beteuerte die Frau beim Prozess und fragte, wozu ein solches Gerät eigentlich gut sei. Sie habe nur eine Taschenlampe. Sie hantierte im Gerichtssaal mit einer Stabtaschenlampe herum, testete damit gar die Reflexe von Amtsgerichtsdirektor Bernd Lindner. In der Tat sei es natürlich, schnell die Augen zuzumachen, wenn man geblendet werde, um sich vor einer Verletzung zu schützen, fand der Richter. Bei der Zeugenbefragung zeigte sich dann, dass der Nachbarsjunge mit seinem Vater vorsorglich die Pforzheimer Augenklinik aufgesucht hat, in der keine Schädigung am Auge erkannt wurde.

 

Ehe der ärztliche Befund feststand, lag bereits eine Anzeige gegen die Frau vor. Aus Sicht der Nachbarfamilie hatte sie mit ihrer Blendaktion das Fass zum Überlaufen gebracht. Zwei Monate später ließen sich die Wogen nun verhältnismäßig leicht glätten. Da dass Auge des Jugendlichen nicht geschädigt wurde, könnte es ohne Weiteres sein, dass kein Laserpointer im Spiel war, stellte der Richter fest. Falls doch, würde sich nicht feststellen lassen, wie gefährlich dieses Gerät gewesen sei - und selbst falls die Frau einen Pointer in Verletzungsabsicht eingesetzt hätte, sei ihr das in keinem Fall nachzuweisen. Sie hätte allenfalls wegen Beleidigung verurteilt werden können. Doch darauf legten die Nachbarn es dann doch nicht an. Sie folgten der richterlichen Empfehlung ganz ohne Lichtquelle ein Signal zu setzen. Nachdem die Frau freigesprochen wurde und die Staatskasse die Kosten des Verfahrens trägt, scheinen die Voraussetzungen günstig, weitere Streitigkeiten über Nichtigkeiten zu vermeiden. rks