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13.08.2010

Sein Herz schlägt für Italien

MÜHLACKER. Unter der Erde, in den Katakomben des Senderstädter Rathauses, befinden sich die Schätze von Manfred Läkemäker. Allesamt einzeln verpackt in großen, weißen Pappkartons, die stark an überdimensionale Pizzaschachteln erinnern.  

Stolz zeigt der ehemalige Personalleiter der Stadtverwaltung Mühlacker seine gerahmten Fotografien, die er bis vor knapp zwei Wochen noch im Foyer des Rathauses ausgestellt hatte. Läkemäker legt bei seinen Werken den Fokus auf die Region und Mühlacker. Dementsprechend zeigt er sowohl Aufnahmen des Flügelbrunnens inmitten der Fußgängerzone in Mühlacker als auch den Eindruck den man gewinnt, schaut man von der Enz zur höher gelegenen Burg Löffelstelz. Es geht um Perspektiven, die man sonst nicht alltäglich vor Augen hat. Der Blick vom Wasserturm auf Mühlacker kann da schon einmal etwas an einen Londoner Vorort erinnern.

Mühlacker-Fotos ausgestellt Läkemäkers Fotografie-Ausstellung hat bereits einen weiten Weg zurückgelegt. Im Zuge der dreißigjährigen Partnerschaft mit der Stadt Bassano del Grappa im Nordosten Italiens wurde sie 2008 direkt in Bassano ausgestellt, um den Bürgern der Partnerstadt einen Eindruck aus der Region um Mühlacker zu vermitteln.

Die Freundschaft und Partnerschaft zur italienischen Stadt in der Region Vicenza hat Läkemäker viele private Kontakte eingebracht, die er heute nicht mehr missen möchte. „Ich bin in den vergangenen 35 Jahren so oft in Bassano gewesen, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Aber ich schätze ich war um die 120- bis 130- mal in dieser Stadt“, schwärmt der gebürtige Mühlackerer. In den 70er- Jahren seien derartige Reisen noch lange nicht so selbstverständlich gewesen wie heute. Es habe schon den ein oder anderen Vorbehalt gegeben. Vor allem auf Seiten der Italiener, denn die Nationalsozialisten hatten während des Zweites Weltkrieges durch das Massaker von Bassano, bei dem 31 Jugendliche an Bäumen der Hauptstraße aufgehängt worden waren, keine rühmliche Rolle gespielt. Dreißig Jahre später seien diese Wunden sicherlich noch nicht verheilt gewesen, dennoch hätten sich alle Bedenken bereits nach dem ersten Treffen zwischen Deutschen und Italienern wie in Luft aufgelöst.

Auch allerlei lustige Anekdoten hat der Rentner zu erzählen. So sei es in den ersten Jahren als Städtepartnerschaftsbeauftragter öfter zum organisatorischen Drahtseilakt gekommen. „Ich erinnere mich, dass ich die erste Reise der Bassanesen nach Mühlacker organisierte und es damals natürlich noch kein funktionierendes Netzwerk gab, was ich hätte nutzen können, um die Italiener in Gastfamilien unterzubringen“, sagt Läkemäker und erklärt, dass er verzweifelt telefoniert habe, um den Neuankömmlingen Unterkunft bieten zu können.

Gerade in den ersten Jahren sei es diesbezüglich drunter und drüber gegangen, so dass Läkemäker und Ehefrau Ottilie aus der Not heraus in der kleinen Doppelhaushälfte sieben italienischen Gästen Obdach bieten mussten. Im Lauf der Jahre lernte das Ehepaar immer besser Italienisch, wenn es aber um Verwaltungsangelegenheiten mit der Partnerstadt gehe, sei die funktionierende Amtssprache noch immer Englisch. Auch im Ruhestand findet das Engagement für die Partnerschaft bei dem 62-Jährigen kein Ende. Geplant hat er ein deutsch-italienisches Künstlerprojekt. Fotografen aus Mühlacker, welche ihre Region fotografieren, seien bereits ein alter Hut. Umgekehrt bassanesische Fotografen, die deren Landschaft festhalten, ebenso. Läkemäker, der auch als Mitglied des Film- und Fotoclubs in Mühlacker aktiv ist, hat Fotografen sowohl aus Bassano als auch aus Mühlacker organisiert, die die jeweils andere Region fotografisch festhalten sollen. „Ich möchte sehen, wie ein Bassanese die Landschaft hier wahrnimmt und fotografiert,“ sagt Läkemäker.

Die Ergebnisse sollen dann in beiden Städten ausgestellt werden. Geplant ist dieses gemeinsame, künstlerische Projekt für das Jahr 2011. Im September fährt der ehemalige Rathausmitarbeiter wieder an den Monte Grappa, um dafür neue Kontakte zu knüpfen. Manfred Läkemäker hat noch lange nicht genug von der Partnerschaft mit Bassano. Schließlich will eine anständige Beziehung ständig gepflegt werden. Miriam Fuch