nach oben
Nur im Stück Gebrüder: Rolf Watzal (links) und Hartmut Herrigel.  Prokoph
Nur im Stück Gebrüder: Rolf Watzal (links) und Hartmut Herrigel. Prokoph
16.10.2016

Wechselbad der Gefühle: Gebrüder Grätig mit neuem Programm auf der Bühne

Wer nur leichten Frohsinn und derbe Späße erwartet, ist beim neuen Programm der Gebrüder Grätig am falschen Platz. Denn Rolf Watzal als Gustav Grätig und Hartmut Herrigel als dessen Bruder Gotthilf lieferten am vergangenen Freitag- und Samstagabend im Vereinsheim des Musikvereins Mühlacker fast sogar schon ein Wechselbad der Gefühle.

Einerseits spart das Mühlacker Kult-Duo auch im neuen Stück „Asylinge und Flüchtlanten oder dees hatt´s frieher au scho gebba!“ nicht am beliebten Gläschen Trollinger und auch nicht an manchem deftigen schwäbischen Ausdruck oder Gesang, für den es Applaus gab. Andererseits lässt die im Stück neu begründete Männer-WG der beiden auch eine Tiefe erkennen, die das Publikum berührt. Denn: Namen wie Slobodkin, der Dürrmenzbäcker, Rülke, der Politiker, Enzkreis Landrat Röckinger, Watzal oder Apotheker Özer stünden nicht unbedingt für schwäbische Namen, sondern doch eher für im Schwabenland mittlerweile etablierte Flüchtlingsnamen, erklärt das Duo.

„Auch keiner haben wollen“

„Die Flüchtlinge aus Ostpreußen und nach dem Zweiten Weltkrieg damals hat auch keiner haben wollen“, resümieren Watzal, der im echten Leben Citymanager ist, und Herrigel, der als Polizeibeamter arbeitet. Ihr Stück spricht die Menschen auf der Straße an, die in den heute durch die Flüchtlingsströme bewegten Zeiten politisch korrekt sein wollen ohne jeglichen Rassismus. „Was darf man denn heute noch sagen, maximalpigmentiert?“, fragen sie. Kurzum: Im Moment herrsche in der Gesellschaft bezüglich des Flüchtlingsthemas ein Wechselbad der Gefühle, einerseits stünden die Helfer, die jeden unterstützen wollten, andererseits diejenigen, die alles kaputt redeten. Und zum dritten gebe es noch Menschen wie die Gebrüder Grätig. Diese wollen weder so noch so sagen. Aber im Prinzip zeigen sie ganz einfach auf, dass man eigentlich immer da hingehört, wo man gerade ist, egal, welche Nation man hat.

Rolf Watzal und Hartmut Herrigel als Gebrüder Grätig bieten mit ihrem neuen Stück den Zuschauern mal Grund zum Lachen, mal eher zum Weinen. Musikalisch umrahmte das Bläserensemble des Musikvereins Mühlacker mit Stefan Franz, Dietmar und Christian Werner, Manuel Bonnet und Alexander Dauth den Abend.