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28.09.2009

2131 Familien suchen Wohnungen

Das unvergleichlich schwierige Problem, den tausenden und abertausenden von Menschen, die die Wohnungsnot bedrängt, eine wirkliche Heimstätte zu geben, gilt heute als die Hauptaufgabe aller staatlichen und städtischen Verwaltung. Vieles ist dazu schon geschehen - der soziale Wohnungsbau zeigt dieser Tage seine ersten Früchte, und dem kommenden Jahr sieht man mit großen Erwartungen entgegen. Aber es werden Jahre vergehen, ehe der Schlußstrich unter die Hilfsaktionen gezogen werden kann - und ehe die Wohnungsämter, bei denen sich alle Unterkunftsnöte der Menschen am deutlichsten wiederspiegeln, ihre nicht immer dankbare Arbeit beenden werden.

Das Wohnungsamt der Stadt Pforzheim hat über die Tätigkeit während der letzten Jahre eine interessante Statistik aufgestellt. Danach sind seit dem 1. 1. 1947 allein 11898 Anträge auf Zuteilung einer regulären Wohnung eingegangen! Das entspricht einem Monatsdurchschnitt von 371 derartigen Anträgen, neben denen es natürlich eine Vielzahl anderer Publikumswünsche zu befriedigen gilt. Am besten zeigt sich das im durchschnittlichen Posteingang pro Tag, der während der ganzen Zeit nahezu derselbe geblieben ist und zwischen 50 - 70 Sendungen schwankt. Was aus all diesen Schreiben spricht, diese Klagen und Bitten Unzufriedener oder Notleidender, ist nicht zu beschreiben. Es gehört ein bedeutendes Maß an Einsicht und gesundem Urteilsvermögen dazu, um hier so zu entscheiden, daß dem Gemeinwohl weitmöglichst Rechnung getragen wird.

Es ist dem Wohnungsamt gelungen, im Berichtszeitraum 7459 Altwohnungen oder Wohnräume zu vermitteln und zudem 3459 Neubau- oder Wiederaufbauwohnungen. 1941 Wohnräume mußten während dieser Zeit zusätzlich erfaßt werden - eine undankbare Pflicht, die häufig Widerstand hervorrief. Wenn es nicht gelungen ist, jeden Einzelnen vollauf zufriedenzustellen, dann ist das eine zeitbedingte Notwendigkeit. Vor allem bei den Zuzugsgenehmigungen sieht sich das Wohnungsamt gezwungen, einen strengen Maßstab anzusetzen, sodaß von 10134 bearbeiteten Anträgen nur 6256 insgesamt genehmigt werden konnten. Auf Zuzugsgenehmigungen, die fast nur an Pforzheimer Evakuierte ausgegeben werden, entfallen 5341, auf Aufenthaltsgenehmigungen, die die unentbehrlichen Schlüsselkräfte der Wirtschaft: erhalten, 915.

 Wohnungssuchende gibt es heute in oder für Pforzheim noch 5230, die sich in 2131 Familien aufgliedern. In den meisten Fällen wird nur ein Wohnraum gesucht, mehr als drei Wohnräume beansprucht nur eine verschwindend geringe Minderheit. An die hohe Wohndichte von 1,75 Personen je Raum oder 7,79 qm pro Person scheint man sich als ein notwendiges Übel in der Regel gewöhnt zu haben, wenn auch die Wohnungsinhaber oft der Meinung sind, daß die rege Bautätigkeit Grund genug für eine Auflockerung der Erfassungsbestimmungen sei. Bevorzugungen aber erhält nur der, der selbst dazu beitrug, neuen Wohnraum zu schaffen. Erst wenn die Notunterkünfte, die es in Pforzheim noch immer gibt - 180 an der Zahl mit 650 Bewohnern - beseitigt sind, kann von „Auflockerungen“ die Rede sein. Immerhin läßt der rege Wohnungsbau in und um Pforzheim schon in nächster Zeit fühlbare Erleichterungen erwarten. cp