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06.04.2009

Ackermann ermahnt die Bankenbranche

Einst war Josef Ackermann der meistgehasste Bankmanager im Land – nun mausert er sich geradezu zum Sympathieträger: Erst verzichtet er auf Millionen Euro an Gehalt, jetzt liest er der eigenen Branche die Leviten.

Sicher steckt dahinter auch Kalkül. Weder Ackermann noch der Deutschen Bank wird es schaden, wenn der Chef sich kritisch mit dem entfesselten Finanzsystem und seinen abenteuerlichsten Blüten – den irrwitzigen Bonuszahlungen – kritisch auseinandersetzt.

Grundsätzlich lobenswert ist das zwar. Doch es dürfte in der Bankenlandschaft viele Verantwortliche geben, die nur auf den Startschuss zum nächsten Wettrennen um die riskantesten Geschäfte und die höchsten Gewinne warten. Die es überhaupt nicht gut finden, wenn jetzt die Politik verzweifelt nach Mechanismen sucht, mit denen sie die Finanzmärkte an die Leine nehmen kann. Und die kein schlechtes Gewissen zeigen, wenn sich ihre Konten weiter füllen, während weltweit die Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen oder bereits entlassen wurden.

Die Gier nach schnell verdientem Geld war einer der wesentlichen Gründe für den Banken-Kollaps, der inzwischen die Weltwirtschaft lähmt. Diese Gier muss gezähmt werden. Im Idealfall setzt sich bei den wesentlichen Akteuren des Finanzsystems langfristig die Einsicht durch, dass ihr Geschäft auch moralische Grenzen kennt.

Ackermann will vermutlich sagen, dass er verstanden hat. Dass wir uns keine Sorgen machen müssen, weil die Banker das schon unter sich regeln. Dass die Politik sich ruhig raus halten kann. Wer ihm glaubt, ist selbst schuld.