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15.04.2008

Aktuelle Rentendebatte

Noch nie ging es den Rentnern so gut wie heute. Daran besteht kein Zweifel. Dass diese Erkenntnis aber nur statistische Aussagekraft hat und mit der Lebenswirklichkeit vieler Ruheständler nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, ist mit den neuen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums nun amtlich. Vielen Ruheständlern reicht die Rente hinten und vorne nicht mehr.

Das liegt unter anderem daran, dass der Lebensstandard der heutigen Rentner oft weitaus höher ist als der früherer Generationen. Aber in erster Linie hat das Dilemma der Rentner damit zu tun, dass ihnen durch Nullrunden oder minimale Rentenerhöhungen in den vergangenen Jahren viel an Kaufkraft genommen wurde. Gleichzeitig explodieren die Energiepreise, Lebensmittel werden immer teurer und die Mehrwertsteuer wurde kräftig erhöht. Das schmerzt die Rentner nicht nur, es führt auch dazu, dass Deutschland angesichts der demografischen Entwicklung eine dramatische Altersarmut droht.
Und trotzdem: Das Problem wird nicht dadurch gelöst, eine ordentliche Rentenerhöhung zu beschließen, die von den abhängig Beschäftigten finanziert wird. Das ist schlicht nicht zumutbar, da es die finanziellen Möglichkeiten der Jüngeren übersteigt und die Arbeitskosten noch mehr in die Höhe treibt.
Schließlich ist das eigentlich Skandalöse an der augenblicklichen Rentendiskussion, dass die Politik keine Konzepte hat, mit denen sie der immer bedrohlicheren Entwicklung Herr werden könnte. Statt das Rentensystem komplett auf den Prüfstand zu stellen, wird ein bisschen an der Rentenformel herumgedoktert. Fakt ist: Dieses Rentensystem taugt nicht, um den zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden.
Insofern hat der frühere Bundespräsident Roman Herzog Recht, wenn er der amtierenden Bundesregierung die Reformfähigkeit abspricht. Diese Politik des Verdrängens wird unsere alternde Gesellschaft direkt ins Armenhaus führen. Nötig ist eine gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung – von Jung und Alt, Politik und Wirtschaft. Je früher umso besser. Denn die Uhr tickt.