15. Dezember 2011

WirtschaftsKRAFT

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Wirtschaftskraft Nordschwarzwald
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Bild unten rechts: Jörg Vetter (rechts) von der Firma Hauff aus Pforzheim. Foto: Neff
Bild unten rechts: Jörg Vetter (rechts) von der Firma Hauff aus Pforzheim. Foto: Neff
Kontaktpflege am Messestand – Jens und Wolfgang Hofmann, Geschäftsführer der Firma Kummer in Ötisheim, im Gespräch mit Wirtschaftsförderer Jens Mohrmann und Kummer-Vertriebsleiter Ulrich Hornung (von links). Foto: Neff
Kontaktpflege am Messestand – Jens und Wolfgang Hofmann, Geschäftsführer der Firma Kummer in Ötisheim, im Gespräch mit Wirtschaftsförderer Jens Mohrmann und Kummer-Vertriebsleiter Ulrich Hornung (von links). Foto: Neff
Axel Blochwitz (mitte), Leiter des Technologiezentrums Horb, informierte sich am Arburg-Messestand über Innovationen. Foto: Neff
Axel Blochwitz (mitte), Leiter des Technologiezentrums Horb, informierte sich am Arburg-Messestand über Innovationen. Foto: Neff
Fachmesse Fakuma
Fachmesse Fakuma
Fachmesse Fakuma. Foto: Neff
Fachmesse Fakuma. Foto: Neff
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Alles Kunststoff - oder was?

Adam Riese gilt als legendärer Rechenmeister. Ob sein Nachfahre Oliver Riese aus Horb im Nordschwarzwald einmal ähnliche Berühmtheit erlangen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin ist Oliver Riese Chef der Firma Riese Electronic und Mitglied im regionalen Kunststoffnetzwerk Innonet. Riese hat gemeinsam mit dem Schalungshersteller Meva aus Haiterbach ein Ultraschall-Messgerät entwickelt, das präzise ermittelt, wann der Beton auf Baustellen hart genug für das Weiterbetonieren ist.

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Früher ging das im wahrsten Sinn des Wortes „Pi mal Daumen“, denn bisher wurde ein Plastikbeutel mit etwas Beton gefüllt und in längeren Zeitabständen mit dem Daumen getestet, bis sich die abgefüllte Masse nicht mehr eindrücken ließ. Dieses Testverfahren um die mutmaßliche Erstarrungszeit des Betons festzulegen, barg erhebliche Risiken. Jetzt kommt das USM-Messgerät auf Baustellen zum Einsatz. Riese und Meva teilen sich auch den Vertrieb.

„Die erfolgreiche Kooperation der beiden Firmen zeigt, dass gerade im optimalen Zusammenspiel indivi-dueller Kompetenzen innovative Lösungen entstehen“, freut sich Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung (WFG) Nordschwarzwald. „Unsere Netzwerkarbeit trägt erste Früchte.“ Darauf konnten auch die Mitglieder des Kunststoffnetzwerks Innonet auf der Fachmesse Fakuma in Friedrichshafen anstoßen, die im Oktober 2011 stattfand. In Halle A3 war der Gemeinschaftsstand der Nordschwarzwälder dicht umlagert.

Das lag sicher nicht nur am technischen Know-how, sondern auch an den farbenfrohen Cocktails, die am Innonet-Messestand von einem Profi-Barkeeper gemixt wurden.

Die Erwartungen der Fakuma-Aussteller waren hoch und wurden nicht enttäuscht.

Rund 400 Unternehmen in der Region Nordschwarzwald beschäftigen sich mit Kunststoffen. Einen „Thermo-Shake“ mit Cranberry und Ananas oder lieber ein „Kompetenz-Mix“ aus Curacao-Sirup und Maracuja?

Dass Technik keine trockene Angelegenheit sein muss, bewiesen die Aussteller am Gemeinschaftsstand des Kunststoffnetzwerks auf der Fakuma. Die farbenfrohen Drinks sorgten nicht nur für einen fruchtig-alkoholfreien Energieschub, sondern wecken auch das Interesse der Messebesucher am technologischen Know-how. Knapp 40 Unternehmen aus der Region Nordschwarzwald, davon 21 aus Pforzheim und dem Enzkreis, präsentierten dort ihre Produkte und Dienstleistungen. Unter dem Motto „Der Kompetenz-Mix für Ihre Lösungen“ präsentierten sich zehn Aussteller unter dem Dach des Innonet.

„Die Messe kam gerade zur richtigen Zeit. Die Investitionsbereitschaft in den Unternehmen ist wieder da, so dass wir vielversprechende Projektegespräche geführt haben“ berichtete Jörg Vetter, technischer Leiter bei der Firma Hauff, Spezialist für Präzisionskunststoffteile und Formenbau. Matthias Gindele, Geschäftsführer der Gindele GmbH in Neuhausen, freute sich über die vielen Anfragen von potenziellen Kunden. „Wir haben die Krise genutzt und unsere Produkte und Prozesse weiterentwickelt, das zahlt sich nun aus.“

Marktführer in Sachen Kunststoffmaschinen ist die Firma Arburg mit weltweit 2100 Mitarbeitern, davon 1750 am Stammsitz in Loßburg. Die Exportquote liegt über 60 Prozent, wie Technik-Geschäftsführer Herbert Kraibühler erläutert. Kunststoff sei als moderner Werkstoff aus der Industrie heute nicht mehr wegzudenken. Die Menschen kommen damit tagtäglich in Berührung: „Morgens klingelt der Radiowecker, wir betätigen den Lichtschalter, benutzen kurz darauf die Zahnbürste, die Kaffeemaschine.“

40 Prozent der verarbeiteten Kunststoffe kommen im Automobilbau zum Einsatz. Die Spritzgießmaschine der Zukunft kann noch wesentlich mehr: Sie übernimmt alle Schritte vor und nach dem Prozess wie das Einlegen von Teilen, das Lackieren oder Dekorieren. Sie steuert und optimiert sich selbst. Und sie spritzt komplexe Stahl-, Hartmetall- und Keramikteile, die sich konventionell nicht fertigen lassen. Immer öfter macht sie damit das Zerspanen überflüssig, erläutert Kraibühler. Selbst Brillengläser werden mittlerweile auf Arburg-Maschinen gespritzt.

Schutz vor Plagiaten bietet beispielsweise ein chemisches Additiv, das dem Kunststoff bei der Verarbeitung beigemischt wird und so den Herkunftsnachweis ermöglicht. Dadurch wird – laut Herstellerfirma Polysecure aus Freiburg – ein gerichtsfester Nachweis von Fälschungen erbracht. Dieses System kann auch zum Schutz von Medikamenten und Implantaten verwendet werden. Einzigartig ist die Möglichkeit, einen vom Anwender vorgegebenen Zahlencode in chemischer Form verschlüsseln und diesen mit geringem Aufwand wieder auslesen zu können, wie Geschäftsführer Jochen Moesslein erläutert. Der optische Marker erzeuge einen Leuchteffekt, der überall und schnell als Originalitätsmerkmal genutzt werden könne – quasi eine künstliche DNA.

 

Autor: VON LOTHAR NEFF

16.12.2011

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