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20.01.2012

Alles Lügen in der Kriegsberichterstattung?

Es ist 11:15 Uhr, die große Pause am Hilda-Gymnasium neigt sich dem Ende zu. Im Klassenzimmer der 10c ist es noch laut, Stühle und Tische werden herum geschoben, sodass ein Stuhlkreis entstehen kann, denn heute bekommen wir Besuch von einem Mitarbeiter der Pforzheimer Zeitung, der uns etwas über die Kriegsberichterstattung erzählen wird. Unser heilloses Durcheinander wird durch seine Ankunft beendet und als er anfängt von seinen Erlebnissen zu erzählen, werden wir auch schlagartig aus unseren Tagträumen gerissen.

„Kriegsberichterstattung, was soll das denn sein?“, fragen sich viele von uns. Journalisten aus aller Welt reisen in Krisengebiete, setzen sich einer riesengroßen Gefahr aus und versuchen irgendwie an brauchbare Informationen über die neuesten Geschehnisse zu gelangen, um diese der Presse und den ganzen wissbegierigen Menschen berichten zu können, erfahren wir.

Als Kriegsberichterstatter ist man also nie in hundertprozentiger Sicherheit und muss jeden Moment damit rechnen, selbst Opfer eines Kampfes zu werden. Nun könnte man sich die Frage stellen, ob die Bezeichnung „Opfer des Krieges“ nicht ohnehin schon auf Journalisten, die dieser Aufgabe nachgehen, zutreffen würde. Immerhin befinden sie sich in ständiger Gefahr, müssen mühsam versuchen Zeugen zu finden, die ihnen Auskunft über die neuesten Ereignisse liefern (sich selbst ein Bild von den Geschehnissen zu machen ist in den meisten Krisengebieten fast unmöglich) und sollten diese Informationen nicht der Wahrheit entsprechen, werden natürlich auch die Journalisten dafür verantwortlich gemacht. Klar, der Ausdruck „Opfer“ ist wohl etwas übertrieben, im Vergleich zu den Kriegsopfern, die schwer verletzt oder sogar tot aufgefunden werden. Aber welcher Mensch begibt sich schon freiwillig in eine so große Gefahr wenn er nicht geldgierig oder Aufmerksamkeit suchend ist? Wohl kaum jemand der genaue Zukunftspläne hat und sich der, in den Kriegsgebieten lauernden Gefahr, vollkommen bewusst ist. Er muss also schon einen gewissen Nervenkitzel lieben, mit Sicherheit ist er abenteuerfreudig und fordert sein Glück gerne bis fast an die Grenzen heraus.

Niemand weiß, welche Informationen in einem Bericht von solch einem Menschen richtig oder falsch sind und wem man glauben soll und wem nicht. „Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit.“, sagte im Jahre 1917 auch schon der amerikanische Senator Hiram Johnson. Es ist also nichts Neues, dass die Wahrheit in solchen Berichten missbraucht wird. Möglicherweise auch aufgrund dessen, dass es ständig neue Angriffe gibt, über die Journalisten natürlich nicht immer auf dem Laufenden gehalten werden können, schließlich sind sie keine Antennen, die alle Informationen wahrheitsgetreu empfangen und sofort weiter versenden können. Durch die vielen Perspektiven und Berichte, die in den Medien auftauchen, sollte man als Leser besonders kritisch sein, denn nicht alles entspricht der Wahrheit. Sicherlich dient die Kriegsberichterstattung zur Aufklärung und Zufriedenstellung der Massen, doch aufgrund der zahlreichen Lügen, die dabei auch verbreitet werden, ist es zum Teil reine Manipulation.

Vieles soll gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen und wird deshalb geschickt vertuscht, was besonders schade ist. Der Leser will Fakten und wahre Ereignisse mitgeteilt bekommen um sich selbst ein Bild von den Geschehnissen im Kriegsgebiet machen zu können. Im Grunde wird er jedoch oft nur ausgenutzt, denn jeder berichtet was er möchte, unabhängig davon ob es der Wahrheit entspricht oder nicht.

Wird man in Zukunft also an allem, was einem berichtet wird, zweifeln müssen? Es bleibt nur zu hoffen, dass dies nie eintreten wird und dass die Menschen zukünftig ehrlich miteinander umgehen, denn, wie das bekannte Sprichwort sagt, die „Wahrheit währt am Längsten“. Christine Mayer