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11. März 2009
Amoklauf
Bei einem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden sind am Mittwochmorgen mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.
© dpa

Amok-Blutbad in Winnenden - Täter erschießt 15 Menschen und sich selbst

WINNENDEN/WENDLINGEN. Blutbad in Winnenden: Ein 17 Jahre alter Jugendlicher tötete am Mittwochmorgen bei einem Amoklauf 15 Menschen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. In der Albertville-Realschule tötete der schwarz gekleidete Jugendliche gegen 9.30 Uhr zunächst neun Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren sowie drei Lehrerinnen.

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Auf seiner Flucht erschoss er weitere drei Menschen. Im 40 Kilometer entfernten Wendlingen endete der Amoklauf des Ex-Schülers bei einem Schusswechsel mit der Polizei. Zwei Beamte sowie mehrere Passanten und Schüler wurden bei Amoklauf schwer verletzt, teilten die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit.

„Es herrscht blankes Entsetzen“, berichtete ein Augenzeuge. „Die ganze Stadt gleicht einer Festung.“ Ein Großaufgebot von knapp 1000 Einsatzkräften sperrte Schule und Teile der Innenstadt in Winnenden ab. Nach Angaben der Polizei schoss der Täter nach Betreten der Schule während des Unterrichts um sich. Danach flüchtete er und tötete als 13. Opfer einen Beschäftigten einer nahe gelegenen psychiatrischen Klinik. „Ich habe sechs bis sieben Schüsse gehört. Ich darf meine Station nicht mehr verlassen“, berichtete eine Mitarbeiterin der Psychiatrie.
Dann zwang der Täter einen Mann, gemeinsam mit dessen Auto zu flüchten. Auf der Fahrt in Richtung Wendlingen ließ er den Fahrer frei. Die Flucht fand ihr Ende bei einem Autohaus in Wendlingen. Bei der Schießerei wurden zwei Passanten getötet und zwei Polizisten schwer verletzt. Dann erschossen Beamte den Amokläufer. Laut Polizei in Wendlingen hatte der 17-Jährige das Feuer eröffnet. Es habe sich nicht um einen finalen Rettungsschuss gehandelt.

Der Täter war nach Polizeiangaben im Jahr 2007 mit einem Abschluss von der Albertville-Realschule abgegangen. Über sein Motiv konnte zunächst nur gerätselt werden. Ob er sich möglicherweise von dem Amoklauf im US-Bundesstaat Alabama, wo in der Nacht zu Mittwoch elf Menschen getötet wurden, beeinflussen ließ, war zunächst unklar.
Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) sagte, der junge Mann sei an der Schule nie auffällig gewesen und habe anschließend eine Ausbildung begonnen. Seine Eltern besitzen laut Polizei legal Waffen. Eine von ihnen fehlte, als die Polizei das Haus in Leutenbach in der Nähe von Winnenden durchsuchte.

Baden-Wüttembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach von einer „grauenvollen und in keiner Form erklärbaren Tat“. Er drückte den betroffenen Eltern und Mitschülern am Mittwoch in Winnenden sein Mitgefühl aus: „Betroffen ist ganz Baden-Württemberg. Die Schule, einen Ort der Zukunft, der Bildung und Erziehung so zu stören und zu zerstören, ist besonders gemein.“

Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierten geschockt auf die Ereignisse. Köhler erklärte in Berlin: „Mit Entsetzen und Trauer haben meine Frau und ich von dem Amoklauf in Winnenden erfahren. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden.“ Bundeskanzlerin Merkel sei „tief erschüttert und entsetzt“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die Bundesregierung habe der Polizei und den Sicherheitskräften alle erforderliche Hilfe angeboten. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach sich dafür aus, Schulen verstärkt auf solche kritischen Situationen vorzubereiten und die Auslöser für Amokläufe besser zu untersuchen.
Die Bluttat ruft Erinnerungen an den Amoklauf von Erfurt wach: Am 26. April 2002 hatte ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums innerhalb weniger Minuten 16 Menschen und dann sich selbst erschossen. Die Stadt Erfurt und das Land boten Baden-Württemberg Hilfe bei der Betreuung von Schülern oder der Angehörigen von Opfern an. Es könnten kurzfristig speziell geschulte Notfallpsychologen entsandt werden, erklärte Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU).

30.05.2011

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