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25.05.2009

Arme Alleinerziehende

Bundespräsident Horst Köhler mahnt, dass Kinder aus armen Familien in Deutschland immer noch deutlich schlechtere Bildungs- und Berufschancen haben als Kinder aus wohlhabenden Familien – und Politiker aller Parteien nicken betroffen und dienstbeflissen. Schlimme Sache – darin sind sie sich schnell einig. Das Problem ist nur: Genauso schnell ist das Thema wieder vergessen und an der Lage der Betroffenen ändert sich wenig. Armen Kindern fehlt schlichtweg die Lobby.

Nur ein Mosaiksteinchen in diesem Zusammenhang sind die 40 Prozent der Alleinerziehenden, die auf Hartz IV angewiesen sind. 650 000 Kinder leben in Armut, weil Mutter oder Vater den Wiedereinstieg in den Beruf nicht schaffen. Schuld ist unter anderem die schlechte Kinderbetreuung in Deutschland. Gemessen daran, wie lange in unserem Land aber schon über bessere und bezahlbare Kinderbetreuung diskutiert wird – genaugenommen seit der Wiedervereinigung 1990 – hat sich so gut wie nichts verändert.
Dabei könnte die Politik etwas tun und zwar schneller als bisher geplant – sie müsste nur den Willen dazu zeigen und Geld in die Hand nehmen. Dass das zur Not aufzutreiben wäre, zeigen die Milliardenhilfen für Banken, Autoindustrie und andere Branchen. Und zukunftssicher wäre es ganz gewiss investiert.
Erst ab 2013 hat jedes Kind einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Bis dahin aber ist wieder eine ganze Generation von Kindern alleinerziehender Eltern in Armut aufgewachsen. Und Horst Köhlers Mahnung ist am Ende seiner zweiten Amtszeit noch genauso aktuell wie heute.