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22.02.2008

Arme Armee

Es gab viele Verwandlungen zu bestaunen am Freitag: Hunderte Menschen hingen ihre Alltagskluft an den Nagel, schlüpften in Tarnklamotten, schmierten sich schwarze und grüne Frabe in die Gesichter, trauten sich so in die Disco.

Zu „Private Fiction“ stürmten partyhungrige Kosmopoliten aus der Schweiz, aus Stuttgart und Karlsruhe herbei – als Schrittmacher der getanzten Entrücktheit auf dem Parkett, um hierzulande allen Beine zu machen, die nicht wussten, wie Ergüsse kreativen Ausdruckstanzes zu Techno und Elektro aussehen.
Eine andere Leistung ist noch viel höher zu bewerten: Auch zahlreiche Pforzheimer verwandelten sich gemäß des Mottos in „Army Punks“. Das heißt: Menschen aus einer Stadt, die eher für Biederkeit als für progressive Ausgelassenheit bekannt ist – ja, ich spreche von Pforzheim –, lebten ihre Träume aus. Kehrten ihre kreative Seite nach außen. Entdeckten Künstler in sich, die eigene Rollen entwerfen – anstatt immer nur „Ed Hardy“ zu tragen. Der Pforzheimer Nachtschwärmer befreite sich aus seinem kleinbürgerlich-engen Kokon, breitete die kreativen Flügel aus – und flog durch die Nacht.

Szeneapplaus. Während sich der Künstler entfalten durfte, ließen die Besucher den Gangster in sich zu Hause. Auch die Goldkette, den Schlagring, das Messer – und was man noch so dabei hatte, als man früher in den Kampf zog in Richtung „Flash Musicpalace“. Überhaupt war dies die schönste Verwandlung: Das einzige, was in einer friedlichen Nacht an Kriegszustände erinnerte, war die Aufmachung der Gäste. Keine Schlägereien. Keine Großeinsätze der Polizei. Die Armee von Kleinkriminellen früherer Tage, vornehmlich an gewalttätiger Eskalation interessiert, ist einer Armee von Punks gewichen, die vor allem nach Ekstase auf der Tanzfläche giert. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Bis zur nächsten Auflage von „Private Fiction“ in Pforzheim muss die Punk-Armee nun etwa zwei Monate warten. Arme Armee.

Szenewechsel. Eine hochinteressante Metamorphose ist die des Stubenhocker-Studenten, besessen vom Lernen, zur SEP-Stimmungskanone, beseelt vom Feiern. „SEP“ heißt Semester-End-Party. Am Mittwoch im „plus+“. Muss man mehr sagen? Ja. DJ Wildcut zeigt sich seit Wochen in Hochform. Lauschen lohnt sich.

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