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Auf dünnem Eis: Blue Gold Stars fordern Härtefallregel

PFORZHEIM. Als die hoch verschuldete Stadt Pforzheim in diesem Jahr ihren Sparhaushalt vorlegte war klar: Es wird harte Einschnitte geben. Erstes Opfer im Sport ist die Eishockey-Abteilung des 1. CfR Pforzheim.

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Leere Kassen, leeres Tor: Weil Eishockey ein teurer Sport ist, ist seine Zukunft in Pforzheim Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Die Blue Gold Stars, wie sich die Pforzheimer Eishockeycracks nennen, haben vor Kurzem ihre Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Sie können die Miete für die St. Maur-Eishalle nicht mehr bezahlen. Diese ist nämlich von 6000 Euro in der Saison 2009/10 auf 29 000 Euro in der Saison 2010/11 gestiegen.

Hauptgrund dafür ist der Beschluss des Gemeinderates, wonach Hallenmiete im Erwachsenensport nicht mehr mit 70 Prozent bezuschusst wird. Alle Vereine müssen ab 1. Oktober 2010 hundert Prozent zahlen. Hinzu kommt, dass die Blue Gold Stars durch den Aufstieg in die Regionalliga mehr Spiele gehabt und mehr Eiszeit fürs Training gebraucht hätten. Die Mehrkosten von über 20 000 Euro kann die Eishockey-Abteilung des CfR nicht stemmen.

Absage an finanzielle Risiken

Selbst ein Kompromiss-Angebot des Hallenbetreibers, der Pforzheim Kongress- und Marketing GmbH (PKM), half nicht mehr. Die PKM hätte die Hallenmiete auf 20 000 reduziert. Aber auch das ging nicht. „Wir sind schuldenfrei und wir werden auch in Zukunft kein Risiko eingehen“, sagt Martin Hämmerle, der Abteilungsleiter Eishockey im CfR.

Ein Problem hat jetzt nicht nur Martin Hämmerle. Der Rückzug der Eishockey-Mannschaft trifft auch den Hallenbetreiber PKM. „In meinem Etat fehlen jetzt diese 29 000 Euro“, erklärt PKM-Geschäftsführer Günter Ihlenfeld. Ebenso wie Hämmerle hält Ihlenfeld die Entscheidung des Pforzheimer Gemeinderates für ungerecht. „Man kann nicht alle Sportarten in einen Topf werfen“, kritisiert Ihlenfeld.

Während die Stunde in einer normalen Sporthalle mit etwa 40 Euro zu Buche schlägt, kostet die Stunde in der Eishalle 120 Euro. Das hat zur Folge, dass die Blue Gold Stars mit ihren 20 000 Euro Mehrkosten rund zehn Prozent der gesamten Einsparungen tragen, die der Gemeinderat durch die Kürzung der Sportförderung im Mai beschlossen hat. Dieses Verhältnis gefällt Hämmerle und Ihlenfeld nicht, wenngleich beide einräumen, dass auch andere Sportvereine in Pforzheim ihr Schärflein beitragen und kräftig zuzahlen müssen.

Gemeinderat soll einlenken

Hämmerle fordert deshalb eine Härtefallregelung. Die könnte so aussehen, dass der Eigenanteil eines Vereines für Hallenmiete gedeckelt wird. „Ich könnte mir eine Höchstgrenze von 10 000 bis 15 000 Euro vorstellen“, so Hämmerle. Der Pforzheimer Eishockey-Macher hofft auf ein Einlenken des Gemeinderates, damit er in der kommenden Saison wieder eine Mannschaft melden kann. Aktuell unterhalten die Blue Gold Stars noch eine Hobbymannschaft und die Nachwuchsteams. Die Förderung für den Jugendbereich wurde nicht gekürzt und liegt nach wie vor bei 100 Prozent.

Wenn die Blue Gold Stars in der kommenden Saison wieder einsteigen hätte auch Günter Ihlenfeld ein Problem weniger. Der ist derzeit dabei, das drohende Defizit der 1992 eingeweihten St-Maur Halle zu reduzieren. Die Halle wird in diesem Winter vermehrt für öffentliches Eislaufen bereit stehen. Außerdem laufen Verhandlungen mit anderen Eishockey-Clubs in der Region. Auch die können die Halle jetzt mieten.

„Ob Eishockey in Pforzheim eine Zukunft hat, ist letztlich eine politische Entscheidung“, glaubt Martin Hämmerle. Manfred Maschek, der Leiter des Schul- und Sportamtes, sieht das ähnlich“ „ Es ist eine grundsätzliche Entscheidung. Der Gemeinderat wusste bei dem Sparbeschluss sehr genau, was er tut.“ Der Gemeinderat ist demnächst wieder gefragt. Der Härtefall Eishockey soll erneut beraten werden. Auch die Schwimmer haben bereits interveniert.

Dabei war es Anfang der 90er-Jahre der Gemeinderat, der die Bildung einer Eishockey-Mannschaft mit Nachdruck forderte, um die St. Maur Halle auszulasten und um das Sportangebot innerhalb der Stadt attraktiver zu machen. 1992/93 spielte erstmals ein Team des TV 34 Pforzheim Eishockey. Seit 2002 gibt es die Blue Gold Stars. Wie lange noch?

Autor: pz-redakteur martin mildenberger

30.05.2011

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