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18.11.2008

Baden-Württemberg und Pisa

Die Botschaft ist so einfach, wie sie für die baden-württembergische Landesregierung alarmierend sein sollte: Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, stagniert die Bildungsqualität in Baden-Württemberg, während andere Bundesländer aufholen – oder sogar überholen. Unterm Strich ist das für das Land kein Nullsummenspiel, sondern ein Verlustgeschäft mit dem wertvollsten Zukunftskapital: der Bildung der Kinder.

Von wegen Bildungsland Nummer eins: Platz vier unter den deutschen Bundesländern beim Schwerpunkt Naturwissenschaft – das ist für die Technologie-Region und Ingenieursschmiede Baden-Württemberg, die sich als Standort gerne aus dem Ländervergleich herausnimmt und stattdessen an europäischen Spitzenregionen messen lassen möchte, eigentlich indiskutabel. Oder, um den Bildungswettbewerb sportlich zu nehmen: Wer stets Anspruch auf die Champions League erhebt, kann sich nicht plötzlich einen Uefa-Cup-Platz schön reden.

Ein echtes Armutszeugnis für Baden-Württemberg ist zudem erneut das schlechte Abschneiden von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Landesregierung sollte sich schämen, als Rechtfertigung anzuführen, dass es hierzulande eben viel mehr Migrantenkinder gebe als etwa in den östlichen Ländern; und stattdessen das Problem endlich entschieden angehen. Doch die Weigerung, Sprachförderung zur selbstverständlichen Aufgabe der Bildungspolitik zu machen, lässt befürchten, dass hier – wie auch in der Diskussion um die Hauptschulen – der politische Wille fehlt, alte Zöpfe abzuschneiden.