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10.09.2008

Bahn macht mehr Ausnahmen bei Schaltergebühr

Zitate können ja so entlarvend sein. Zum Beispiel dieses von Hartmut Mehdorn: „Es gibt immer noch zu viele, die uns Deutsche Bundesbahn nennen. Mich graust’s dann immer. Aber mit dem Börsengang werden sie es endgültig merken“, sagte der Bahn-Chef gestern. Das lässt Böses ahnen. Und die Tatsache, dass jetzt doch noch ein paar Ausnahmen von der Schalter-Gebühr gemacht werden sollen, ändert daran im Grunde nichts.

Dem Bahn-Chef ist die gute, alte Bundesbahn offenbar zuwider – ihre roten Zahlen, ihr eher gemütliches Image, und wohl auch ein bisschen die Tatsache, dass man sich als Kunde, allen Mängeln zum Trotz, dort immer ganz gut aufgehoben fühlte. Mal wieder zu spät dran? Ja. Aber über den Tisch gezogen? Das nicht.

Mit dem Börsengang soll sich nun alles ändern – und mit den schlechten Eigenschaften der alten Bahn werden auch die guten über Bord geworfen: Das heißt, die Bahn wird profitabler, wahrscheinlich nicht unbedingt pünktlicher, aber garantiert besser darin, Geld zu verdienen – um es dann den Aktienbesitzern auszuschütten. Dazu gehört auch, dass man auf so perfide Methoden verfällt wie die unsägliche Schalter-Gebühr. Der Schuss könnte allerdings auch nach hinten losgehen: Wer als Dienstleistungsunternehmen zu sehr am Service spart, verschreckt am Ende bloß die Kunden. Genauso übrigens wie der aktuelle Plan, Senioren mit Bahncard von der Regelung auszunehmen: Das verwirrt nur und wirft außerdem die Frage auf, warum bei der Bahn eigentlich nicht jeder Kunde gleich willkommen ist.

Nein, Herr Mehdorn, das Ding muss weg. Komplett. Und sei es nur um des Profits willen: Auch eine Bahn an der Börse braucht schließlich Kunden.