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05.02.2009

Bahn verspricht Aufklärung

Muss Hartmut Mehdorn gehen? Wer weiß. Der Bahnchef hat schon viele Skandale überstanden. Und auch diesmal scheinen Wohl oder Wehe nicht vom eigentlichen Ausmaß des angerichteten Schadens abzuhängen. Sondern eher davon, wie gut sein politisches Standing und sein Krisenmanagement sind.

Letzteres ist gewiss verbesserungsbedürftig: So war die Informationspolitik des Konzerns bislang eine Katastrophe – scheibchenweise wurde nur zugegeben, was ohnehin schon bekannt geworden war. Erst jetzt – als der Druck zu groß wurde – sollen alle Fakten auf den Tisch kommen. Ob’s hilft? Mehdorn vielleicht. Den Bahn-Mitarbeitern wohl eher nicht.

Bei aller Diskussion um die Personalie Mehdorn drohen die Geschädigten in Vergessenheit zu geraten. Da hat ein Konzern mal flugs alle seine Mitarbeiter unter Generalverdacht gestellt. Korruptionsbekämpfung – in diesem riesigen Unternehmen sicherlich wichtig, aber doch nicht so! Rasterfahndung ist als Methode ungeeignet. Ohne Hinweis auf ein Verschulden darf nicht geschnüffelt werden.
Die nun versprochene Aufklärung bringt denen zwar Gewissheit, aber das verlorene Vertrauen in ihren Arbeitgeber nicht zurück. Eine ehrliche Entschuldigung bei den Bahn-Mitarbeitern ist überfällig – davon war bislang nichts zu hören. Die Bundesregierung aber schuldet uns allen einen besseren Datenschutz. Denn sonst wird munter weiterspioniert – Beispiele dafür gibt es bereits genug. Und daran ändern auch Rücktritte nichts.