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Durchblick: Julia Berg (links) und Magdalena Stefaniak sitzen im Fenster der Ausstellungsräume in der Jägerpassage. Foto: Seibel
Broschen mit stilisierten Schafen, von denen eines immer anders als die anderen ist, zeigt Nicola Grüchtel. Foto: Seibel
Reisperlen aufeinandergebaut: Wahre Leckerbissen stellt Aynur Teyin aus. Foto: Seibel
Fundstücke von Baustellen hat Katharina Stadelbauer verarbeitet. Foto: Seibel
22.07.2016

Berufskolleg-Ausstellung: Die Geschichte hinter dem Schmuckstück

Hingehen. Anschauen. Staunen. Für alle schmuckaffinen Menschen ist die schön aufgebaute Ausstellung in der Jägerpassage ein Muss: Unter dem Motto „same same but different“ – alles gleich und doch irgendwie anders – erzählen die Absolventen des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät eine Vielzahl von Geschichten: Manchmal ganz persönliche, viele mit gut durchdachtem Hintergrund, viele mit einer Botschaft. 24 junge Designer zeigen eine große Vielfalt an Ideen und Techniken.

Bildergalerie: Berufskolleg-Schmuckausstellung in der Jägerpassage

So auch Nicola Grüchtel. Sie hat drei Dreier-Reihen mit stilisierten Schafen gestaltet. Und beim genauen Hinschauen wird klar: Das dritte Schaf der Reihe ist anders – mal schwarz, mal mit blauen Tropfen, mal sträubt sich das Fell nach oben. Mut machen will die junge Designerin mit dieser Arbeit, „anders als alle anderen zu sein“. Oder Anne Pruy hat ihre Geschwister zum Thema der großen Anhänger genommen. Alle aus der gleichen Grundform entstanden, jedoch mit völlig unterschiedlichen (Schmuck-) Attributen ausgestattet. Und die jüngste Schwester, die vierte im Anhänger-Bund, ist die Grundform der anderen im Entstehen.

Menschen, Tiere, Natur, Architektur, die 24 jungen Schülerinnen schöpfen aus einem großen Potenzial, was ihre Themenauswahl angeht. Da werden bei Valentina Michaelis DNA-Stränge zu Ringformen, die – mal in Silber, mal in Eisen – bei gleicher Form eine ganz unterschiedliche Anmutung haben. Mikrofossilien regen Larisa Becke zu Schmuckobjekten an, bei Viktoria Schumann sind es Meerschnecken und bei Ronja Schmid parasitäre Pilze, die sie in ihren Ringen verarbeitet. Skurrile Formen nimmt der Gehörgang des menschlichen Ohrs bei Katharina Stäbs an. Sehenswert auch, wie Magdalena Stefaniak menschliche Organe in Schmuckformen umsetzt. Für die bunten, üppigen Anhänger von Maja Sonntag stehen Pflanzensamen Pate, während Regina Hähnel in einer aufwendigen Arbeit Kakteen variiert. Ihren Freunden hat Luca Hurrle abstrahierte Tierformen zugeordnet, während Agathe Grauschopf Schutzengel für Tiere entwirft. Großartig, wie Anina Loewe ihren Dachbodenfund von Phiolen in Schmuckkunst umsetzt.

Japanische und chinesische Gartenbaukunst stellt Ephanie Koch in ihren raffinierten Broschen gegenüber, während Nike Rottler die Grundrisse von Kirchen mit ihren plastischen Broschen in ein ganz neues Bild rückt. Beeinflusst von der Kunst Anish Kapoors gestaltet Alexandra Pichler architektonische Anhänger. Spielerisch, aber mit viel Hintergrund sind die Schmuckobjekte von Julia Berg, Melina Augenstein, Tzu-Yun Hung, Noelina Montero Rodriguez, Katharina Stadelbauer, Emma Gregory, Jacqueline Ahrendt und Aynur Teyin. Und selbst wer sich nicht für Schmuckkunst begeistern kann, der gerät allein über die Vielfalt der gezeigten Techniken – von Emaillieren bis Ziselieren und Lasern – ins Staunen.