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26.11.2008

Bilanz von Porsche

Wendelin Wiedeking ist krisenerprobt. Der Porsche-Chef hat den Sportwagenbauer aus einer bevorstehenden Pleite in den Jahren 1992/1993 zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche gemacht. So erfolgreich, dass der kleinste unabhängige Autohersteller der Welt heute die Kraft hat, um sich an Europas größtem Fahrzeugbauer VW die Mehrheit sichern zu können. Insofern muss keine Panik aufkommen, wenn Wiedekings Werk von der Krise erfasst wird.

Der Unternehmenslenker war noch nie einer, der sich der Massenströmung hingegeben hat. Als Querdenker mit langem Atem hat der Westfale bewiesen, dass er Probleme bewältigen kann – unkonventionell in den Ideen und konservativ in der Finanzierung. Massenströmung ist nicht sein Ding. So gibt es beispielsweise auch bei Absatzflaute keine Rabattschlachten oder werksinterne Nachlässe bei Porsche. Andere Premiummarken haben mit derlei Ausverkaufsmentalität ihre Fahrzeuge zu beliebigen Produkten degradiert und sich damit noch mehr in die Bredouille gelenkt.
Souverän ist, dass sich der Porsche-Chef nicht unter Druck setzen lässt und statt dessen die geplante Aufstockung der Anteile an VW auf unbestimmte Zeit verschieben wird. Gut ist, dass Wiedeking nicht mit aller Gewalt die Bänder laufen lässt, um auf Halde zu produzieren. Stattdessen drosselt er die Fahrzeugherstellung und nutzt die gut gefüllten Arbeitszeitkonten der Beschäftigten, denen damit kein Nachteil entsteht.
Gestern hat Wiedeking zwar noch nicht im Detail verraten, wie er das Unternehmen durch die Krise steuern wird. Klar ist jedoch: Wenn einer das Potenzial hat, weitgehend ungeschoren davon zu kommen, dann ist es Porsche – und mit ihm die Mehrzahl der Mitarbeiter.