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Schwer verletzt wurde ein Jugendlicher in der Pforzheimer Südstadt.
Schwer verletzt wurde ein Jugendlicher in der Pforzheimer Südstadt. © PZ-Archiv
13.10.2010

Brutale Tat milde mit Bewährungsstrafen geahndet

PFORZHEIM. In Kickbox-Manier einen 19-jährigen Schüler angesprungen, so dass dieser durch die Scheibe einer Gaststätte an der St. Georgen-Steige fliegt und schwer verletzt wird: Vor Gericht gab es dafür Bewährungsstrafen.

Die Pforzheimer Richterin Annette Beese verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für den 25-jährigen Haupttäter aus Thailand und Bewährungsstrafen von neun und sechs Monaten für die beiden 23- und 24-jährigen Mittäter. Ferner müssen sie jeweils 1000 Euro in Ratenzahlungen für das Opfer aufbringen, der Haupttäter sogar 2000 Euro.

Nebenklage-Vertreter Andreas Bittighofer konnte das seiner Meinung nach milde Urteil kaum glauben: Er hatte vier Jahre Haft für den 25-jährigen Haupttäter beantragt, sowie drei Jahre und drei Monate und zwei Jahre und fünf Monate für die beiden Mittäter. Nach seiner Meinung sei dieses Delikt „nahe am versuchten Totschlag“ gewesen. „Wer wie die Angeklagten auf einen in seinem Blut am Boden liegenden wehrlosen Menschen weiter eintritt, gehört ins Gefängnis“, so Bittighofer, der als Nebenklage-Vertreter die Anträge von Staatsanwalt Bernhard Martin als „zu milde“ eingestuft hatte. Martin beantragte eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung für den 25-jährigen Haupttäter, der keine Reue gezeigt habe und völlig unvermittelt am 16. Januar diesen Jahres um 1.25 Uhr nach einem Discotheken-Besuch sein Opfer angesprungen habe.

„Der schwer verletzte Schüler musste im Krankenhaus an Auge, Wange und Ohr genäht werden“, so Bernhard. Für die beiden Mittäter, einen 23-jährigen Arbeitslosen aus Birkenfeld und einen 24-jährigen italienischen Staatsangehörigen, der jede Beteiligung an dem Vorfall abgestritten hatte, beantragte Martin Bewährungsstrafen in Höhe von elf Monaten plus 200 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie von acht Monaten plus eine Geldauflage von 2000 Euro.

Nur der Haupttäter ließ sich durch einen Rechtsanwalt verteidigen und der forderte eine Bewährungsstrafe, weil man die Tat nicht nach dem beurteilen dürfe, was hätte passiert sein können, sondern welche Verletzungen tatsächlich entstanden seien. Nebenklage-Anwalt Bittighofer hatte zuvor betont, dass es nur dem Zufall zu verdanken sei, dass das Opfer noch lebe. Der Täter habe es nicht in der Hand gehabt, dass der Schüler bei dem Flug durch die Scheibe an der Halsschlagader verletzt werden könne und dann möglicherweise gestorben wäre.

Vor dem Kick-Box-Tritt hatte der ungestüm anrennende Haupttäter noch eine Wodka-Flasche in Richtung seines Opfers geworfen. Nach der Tat flüchteten die Angeklagten in einem Auto, wobei die Fahrerin, eine Freundin eines der Angeklagten, fast einen Zeugen überfahren hätte, der die Jugendlichen an der Flucht hindern wollte und sich nur durch einen Sprung zur Seite retten konnte.