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07.11.2008

Bund verbessert Kinderbetreuung

Ob Behörde, Unternehmen oder Uni – in Deutschland stoßen Frauen im Berufsleben immer auf denselben Konflikt: Die meisten können ihr Engagement im Beruf und die Gründung einer Familie nur mit größten Schwierigkeiten unter einen Hut bringen. Nicht selten machen die Chefs die größten Probleme, obwohl die Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft so gerne davon reden, wie wichtig Kinder für die Zukunft unserer Gesellschaft seien.

Doch viele kommen über Lippenbekenntnisse nicht hinaus. Noch immer sitzen in Talkrunden nur dann fast ausschließlich Frauen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Noch immer stehen auf der Rednerliste des Bundestages nur dann überwiegend Frauen, wenn es um Kinderbetreuung und Gleichstellung geht. Noch immer werden diese Themen allein den Frauen zugeschrieben – allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Die Zustimmung des Bundesrats zum neuen Kinderförderungsgesetz wird dieses ärgerliche Dilemma natürlich auch nicht sofort lösen können. Doch die Konsequenzen aus dem Gesetz haben durchaus das Zeug dazu, das Bewusstsein in der Gesellschaft, in den Unternehmen und Familien langfristig zu beeinflussen – in Richtung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Schon das unlängst verbesserte Elterngeld hat es auch für junge Väter attraktiver gemacht, sich vorübergehend aus dem Job auszuklinken, um die Kinder zu betreuen. Inzwischen bleiben mehr Väter zu Hause. Und weil das Elterngeld jetzt sogar 14 Monate gezahlt wird, wenn beide Elternteile eine Auszeit nehmen, gibt es nun auch handfeste finanzielle Gründe. Damit können Väter neuerdings auch ihren Chefs erklären, warum sie ebenfalls zu Hause bleiben wollen, auch wenn es unbefriedigend bleibt, dass es oft nur die beiden obligatorischen Monate sind.
Bis 2013 sollen nun auch noch rund 430 000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kleinkinder geschaffen werden. Ein längst fälliger Fortschritt. Denn es geht nicht darum, zusätzliche Satt-und-Sauber-Verwahrstätten für die lieben Kleinen zu schaffen, sondern Einrichtungen, in denen Zeit und Raum ist, liebevoll auf die Kinder einzugehen und sie zu fördern, damit das schlechte Gewissen nicht ständiger Begleiter der ohnehin gestressten Eltern bleibt, die ihre Kinder betreuen lassen müssen. In einer hochqualifizierten Gesellschaft muss Wahlfreiheit für junge Frauen und Männer, qualitätsvolle Kleinkinderbetreuung und Flexibilität der Arbeitgeber selbstverständlich werden. Mehr noch: Eine zukunftsorientierte Familienpolitik darf bei der Frage der Betreuungsplätze nicht verharren. Auch das Steuerrecht ist hier dringend reformbedürftig. Sonst brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Deutschland geburtenärmstes Land der Welt bleibt.