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05.12.2008

Bundesbank sieht schwarz

Immobilienkrise, Finanzkrise, Krise der Realwirtschaft. Mit Worten und Mimik gibt sich selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel lieber den düsteren Vorhersagen hin anstatt Führungsstärke zu zeigen und den Blick nach vorn zu richten. Keine Frage: Die „Krise“ hat in diesen Zeiten Konjunktur. Selbst prominente Wirtschaftslenker, die stets darüber klagten, Standorte würden schlecht geredet, überbieten sich derzeit mit finsteren Vorhersagen. Weil aber Wirtschaft immer noch von Menschen gemacht wird, ist sie auch zur Hälfte Psychologie. Die meisten Menschen hören „Krise“, bekommen Angst um ihr Geld, sparen lieber und investieren nicht. Das ist ein Naturgesetz.

Die Macht der Psychologie

Ein weiteres Naturgesetz der Wirtschaft lautet: Nach dem Abschwung kommt der Aufschwung. Und meist sind diese Konjunkturtäler bei weitem nicht so lang oder so tief. Deshalb sind wir alle auf insgesamt auch immer reicher geworden. Was wir derzeit erleben, ist ein klassischer ökonomischer Abschwung nach einer langen Phase des Wachstums. Eine Phase, die wir mit niedrigen Zinsen und billigem Geld, das viel zu lange im virtuellen Raum herumgegeistert ist, nur noch verlängert haben. Darum mag die jetzige Krise auch länger andauern. Aber Zustände wie in der Ölkrise der 1970er- Jahre oder gar eine Depression wie gegen Ende der Zwanzigerjahre müssen wir 2009 nicht zwangsläufig erleben.

Man könnte der Krise antizyklisch begegnen, anstatt in Panik zu verharren. Ein Beispiel: Wer vor kurzem noch daran gedacht hat, sich in der nächsten Zeit ein Auto zu kaufen, sollte es jetzt erst recht tun. Autos werden lange nicht mehr so günstig zu haben sein wie im Moment. Doch dadurch, dass ständig über die Krise geredet wird, dass Unterstützungszahlungen für alle möglichen Branchen in der Diskussion sind, steigt die Angst. Die Mehrheit der Bevölkerung, die komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge kaum durchschaut, wartet dann lieber ab. Dieses Abwarten allerdings wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Weil man die Krise fürchtet, kommt die Krise.

Einerseits sind viele Sorgen um die Zukunft durchaus berechtigt. Andererseits ist die Kaufkraft für fast die gesamte Bevölkerung bisher ungeschmälert geblieben; da hat sich objektiv nichts geändert. Geändert hat sich lediglich die Bereitschaft, dieses Geld auszugeben – weil viele skeptisch oder sehr pessimistisch in die Zukunft blicken und sich lieber zurückhalten.

Niemand in der Politik wird sich die Finanzkrise herbeigewünscht haben, ganz sicher nicht. Aber taktisch betrachtet, hat die Krise wenigstens den Vorteil, dass sich die Kanzlerin und ausgewählte Kabinettsmitglieder als einigermaßen kompetente Krisenmanager profilieren können. Das bedeutet unbedingt auch, in der Krise nicht die Chancen zu übersehen.