


PFORZHEIM. Es war wohl das schwerste Auswärtsspiel, das Oberbürgermeister Gert Hager in seiner bisherigen Amtszeit zu bewältigen hatte. Bei der Mitgliederversammlung des 1. CfR Pforzheim musste er sich massive Vorwürfe anhören. Es ging natürlich um die leidige Stadionfrage.
Weil der Holzhof wegen des Trinkwasserschutzes nicht ausgebaut werden kann, soll nun das marode Brötzinger Tal zur neuen sportlichen Heimat des Fusionsvereins 1. CfR Pforzheim aufgepeppt werden. Viele Mitglieder, vor allem die des ehemaligen VfR Pforzheim, fühlen sich jetzt von der Pforzheimer Rathausspitze mit falschen Versprechungen in die Fusion gelockt. Denn bei den Fusionsverhandlungen war stets davon die Rede gewesen, dass die sportliche Bleibe des CfR der Holzhof sein werde.
Erst nach der vollzogenen Fusion kam der Trinkwasserschutz ins Spiel, obwohl schon vorher klar war, dass es diesbezüglich Probleme geben könnte. Entsprechend groß war der Ärger der Mitglieder, der in lautstarken Protesten seinen Ausdruck fand. „Das Vertrauen der Fusionspartner wurde massiv enttäuscht“, brachte der ehemalige CfR-Vorstandsvorsitzende Robert Drotleff die Stimmung auf den Punkt.
101 von 504 stimmberechtigten Mitgliedern des CfR waren in die Clubhausgaststätte das Stadion Brötzinger Tal gekommen. Neben OB Hager waren der Erste Bürgermeister Roger Heidt, der Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim (SWP), Wolf-Kersten Meyer und einige Stadträte als Gäste anwesend.
CfR-Vorstandsvorsitzender Markus Geiser stellte eingangs noch einmal die Ausbaupläne für das Holzhofstadion vor. „Damit war ich im November 2010 auf dem Rathaus, da sagte Herr Hager: Herr Geiser, wir haben ein Problem.“
Dieses Problem wurde anschließend von SWP-Chef Wolf-Kersten Mayer detailliert geschildert. „Die Enzauen sind unsere ergiebigsten Quellen und unsere einzige Chance, Eigenwasser zu fördern“, so Meyer. Durch den Bau der Buckenberg-Auffahrt, den geplanten Bau der Autobahn-Raststätte Pforzheim Ost und das geplante Gewerbegebiet in Niefern sei man mit den Brunnen sehr stark eingeschränkt. Das Areal in den Enzauen um den Holzhof sei das einzige Gelände, wo man noch zuverlässig Trinkwasser ausbauen könne.
Hager räumte ein, von der Tragweite der Trinkwasserproblematik in diesem Bereich nichts gewusst zu habe, weshalb er auch noch im Sommer 2010 für den Holzhof geworben habe. „Hätte ich das gewusst, hätte ich schon 2009 gesagt: Stopp! Das muss ich als Fehler eingestehen. Der Fusionsbeschluss fußt also auf einer falschen Annahme. Das tut mir leid. Dafür entschuldige ich mich.“
Hager bot dem Verein die Hilfe der Stadt an. Das Murren der Versammelten im Clubhaus verriet, dass die Mitglieder inzwischen sehr misstrauisch sind, wenn die Stadt Versprechungen macht. Hager stellte als Alternativen einen kompletten Neubau auf der grünen Wiese oder die Ertüchtigung des Areals im Brötzinger Tal in den Raum.
Ein Neubau sei aus finanziellen Gründen unrealistisch. Bliebe also das Brötzinger Tal. Hager stellte in Aussicht, die Plätze zwei und drei in Kunstrasenplätze zu verwandeln, Platz eins zu richten und mit einer Flutlichtanlage zu versehen, Clubhaus, Stehränge, Tribüne und Zäune neu zu gestalten. Finanziert werden könnte dies durch den Erlös aus dem Verkauf des Holzhofes an die Stadtwerke.
Die Versammlung beschloss bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung, dass der CfR-Vorstand ermächtigt wird, mit der Stadt und den Stadtwerken in entsprechende Verhandlungen einzutreten und das Ergebnis der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorzulegen.
Am Rande der Versammlung wurde bekannt, dass beim CfR ein neuer Trainer unterschrieben habe. Die Unterschrift des Finanzvorstandes steht aber noch aus. Den Namen des Neuen wollte man nicht nennen.
Autor: pz-redakteur martin mildenberger





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Leserkommentare (10)
Mehr KommentareNun haben zumindest die PForzheimer Fussballinteressierten schon mal gemerkt, dass die vielen Versprechen aus Hagers Wahlkampf nur heisse Luft sind. Ich bin mir zu 100% sicher dass man am Ende seiner Amtszeit nicht einen einzige Haken an seine Versprechungen machen kann. Dass er nichts davon wusste ist ja gerade zu lächerlich. mehr...
Wenn dem so wäre ist nur eines seltsam: Daß sich die jetzt so kritischen Stadtwerke auch erst letzten Herbst ernsthaft mit ihren Bedenken gemeldet haben !! Und übrigens Frau Augenstein, wie Sie sicherlich besser als ich wissen, auch keine andere Meinung als Herr Hager vertreten hat............ mehr...
Unter das Motto Nonsen und Satire würde ich das ganze abbuchen wollen wenn das ganze nicht so ERNST wäre. Da sagt Herr Hager er hätte nicht gewusst, dass es beim Holzhof Gebiet Trikwasserquellen geben würde, da meldet sich auch kein Herr Kersten - Mayer Stadtwerke Chef zu Wort und klärt die städtische UNWISSENDEN auf, dass unser Trinkwasser in Gefahr wäre als vor Fusion bekannt gemacht wurde, dass der Holzhof ausgebaut werden soll Nachdem die VFR Mitglieder für mich hereingelegt wurden so ...... mehr...