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29.01.2009

Datenaffäre bei der Bahn

Das darf doch nicht wahr sein! Erst lässt die Bahn die Telefonnummern und Bankverbindungen von 173 000 Mitarbeitern mit jenen von 80 000 Firmen abgleichen und dann tut sie so, als sei dies die normalste Sache der Welt.

Schwere Zeiten

Jedes Unternehmen hat das Recht, ja sogar die Pflicht, gegen Korruption vorzugehen. Was sich aber die Bahn-Spitze erlaubte, hat mit Korruptionsbekämpfung nichts mehr zu tun. Schließlich wurden massenweise Mitarbeiter beschnüffelt, die nicht mal annähernd in den Verdacht von Bestechlichkeit kommen konnten. Oder wie sinnvoll ist es, einen Lokführer zu korrumpieren, wenn es um die Vergabe eines Bahnauftrags geht?

Egal, wie sich die MehdornBahn nun aus der Affäre ziehen wird, fest steht, sie gerät immer tiefer in den Schlamassel. Der verschobene Börsengang, die umstrittene Preis- und Streckenpolitik, die viele Kunden verärgert und verprellt hat, die alltäglichen Verspätungen oder die gravierenden technischen Probleme mit der ICE-Flotte – all das macht die Bahn zunehmend zum staatseigenen Sorgenkind.

Zu allem Überfluss schlägt nun auch noch die Wirtschaftskrise durch, die die Bahn deutlich zu spüren bekommen wird. Wie wichtig wäre in solchen Zeiten eine hochmotivierte Belegschaft, die versucht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Deren Motivation wird sich nach der Datenaffäre aber doch sehr in Grenzen halten.