




PFORZHEIM. Mit einer Gedenkfeier am Großkreuz auf dem Hauptfriedhof haben am Samstag rund 400 Teilnehmer der über 17 000 Toten gedacht, die am Abend des 23. Februar 1945 bei einem Luftangriff ums Leben kamen.
Am 63. Jahrestag der Zerstörung Pforzheims durch Bomber der Royal Air Force haben Oberbürgermeisterin Christel Augenstein und der britische Botschafter in Berlin, Sir Michael Arthur, die gemeinsame Verpflichtung betont, den Frieden in Europa zu erhalten und weltweit an der Verwirklichung ehrlicher Freundschaft weiter zu arbeiten. Gerade Städte wie Pforzheim, in denen heute Menschen unterschiedlicher Herkunft leben, trügen hierbei eine ganz besondere Verantwortung, sagte das Stadtoberhaupt.
Augenstein erinnerte daran, dass unter den Toten des 23. Februar 1945 nicht nur Pforzheimer waren. In der Stadt hielten sich auch Soldaten und Flüchtlinge auf. „Hier lebten zudem viele Menschen aus ganz Europa, besonders aus Russland, der Ukraine und Frankreich, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren und zum Arbeiten für das Land gezwungen wurden, das gegen ihre Heimatländer einen verbrecherischen Krieg führte“, betonte die OB. Der „totale“ Krieg, der von deutschem Boden ausgegangen sei, habe schließlich alle getroffen, die sich in der Innenstadt aufhielten. Unter den Toten hätten sich viele befunden, die noch versucht hätten, anderen zu helfen und dabei selbst Opfer wurden: Angehörige der Feuerwehr. Da diese in Pforzheim im Sommer ihr 150-jähriges Bestehen feiert, war die Wehr mit einer großen Abordnung zur Gedenkfeier gekommen.
Die Oberbürgermeisterin ging in ihrer Ansprache auch auf die Kritiker des städtischen Gedenkens ein, die sich Jahr für Jahr aus unterschiedlicher politischer Intention zu Wort melden. „Mit großem Nachdruck“ hielt sie ihnen entgegen: „Wir betreiben hier keinen Opferkult, sondern zeugen denjenigen, die vor 63 Jahren Familienangehörige, Freunde und Bekannte verloren haben und um diese trauern, unseren Respekt und teilen ihre Trauer. Dabei verkennen wir keineswegs die Tatsachen.“ Der Bombenkrieg, der nach einer Reihe anderer Städte in ganz Europa auch Pforzheim traf, sei das Resultat eines Krieges gewesen, dessen Gewalttaten bis dahin ungeahnte Ausmaße angenommen habe. Seinen Ausgang habe dieser Krieg auf deutschen Boden gehabt. Sir Michael Arthur betonte, dass die Statistik der Ereignisse das Grauen kaum vermitteln könne, was die Menschen damals durchmachen mussten. Doch selbst nach einer solch schrecklichen Nacht habe es Zeichen ungewohnter Menschlichkeit gegeben. Die Nichte eines britischen Piloten, der über Pforzheim abgeschossen wurde, hat später einen Deutschen geheiratet. Deren Sohn sei heute Diplomat bei ihm an der Botschaft. Und: „Unsere Länder sind enge Verbündete. Unsere Soldaten stehen Schulter an Schulter im Kosovo und in Afghanistan.“
Pfarrer Martin Schleicher (evangelische Matthäus-Gemeinde) hatte in den Mittelpunkt seiner Rede Verse aus der Heiligen Schrift gestellt. So las er aus dem Buch des Propheten Jesaja: „. . . und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Mit einem Gebet von Pfarrer Klaus Bundschuh (katholische Antonius-Gemeinde) und dem Musikzug der Feuerwehr, endete die Gedenkfeier, an der unter anderem auch Abordnungen aus den Partnerstädten Osijek (Kroatien) und Gernika (Spanien) teilnahmen.
Autor: Thomas Frei





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