15. Juli 2011

Karlsruher SC

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Der neue KSC-Trainer Rainer Scharinger bittet noch um etwas Geduld. Foto: dpa
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Der KSC nach der Radikalkur - «Motivation riesig»

KARLSRUHE. Nach dem Existenzkampf der vergangenen Saison hat der Karlsruher SC seine Mannschaft fast komplett umgebaut. Das schürt die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch der Trainer dämpft erst einmal die Erwartungen und bittet um Geduld.

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Situationen wie die letzten fünf Minuten der vergangenen Saison, als der Karlsruher SC fast noch in die dritte Liga abgestiegen wäre, möchte Ingo Wellenreuther nie mehr erleben. «Die werden mir ewig im Gedächtnis haften bleiben», sagt der Präsident des Fußball-Zweitligisten kurz vor Beginn der neuen Spielzeit. Der 51-Jährige hat seine Konsequenzen daraus gezogen und hofft nun auf bessere Zeiten. Nach dem Chaos und Existenzkampf des letzten Jahres verordnete er dem Traditionsverein eine Radikalkur.

17 Profis mussten gehen, von zwei weiteren wollen sich die Badener noch trennen. Im Gegenzug verpflichteten der neue Sportdirektor Oliver Kreuzer und Trainer Rainer Scharinger zwölf neue Spieler. Dazu kam noch der Rückkehrer Anton Fink, der an den Drittligisten VfR Aalen ausgeliehen war. «So hat die Chance bestanden, eine neue Mannschaft aufzubauen», sagt Wellenreuther. Das habe allerdings von allen Beteiligten «Mut und Entschlossenheit» verlangt.

Auch finanziell hat der CDU -Bundestagsabgeordnete den vor wenigen Monaten noch heruntergewirtschafteten KSC wieder einigermaßen auf Vordermann gebracht - und verlangt auch von den Spielern einen Beitrag. Alle Profis hätten «stark leistungsbezogene Verträge» abgeschlossen, erklärt er kurz vor dem Auftaktspiel gegen den MSV Duisburg am Sonntag (15.30 Uhr/Sky). «Stimmt der Erfolg, kann man mit dem KSC gut Geld verdienen. Es kann aber nicht sein, dass der gesamte Verein zugrunde geht, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.» Der Lizenzspieler-Etat schrumpfte von acht auf sieben Millionen Euro, auch wenn das Gesamt-Budget des Vereins stabil blieb (17 Millionen).

Während der KSC mit Scharinger schon gegen Ende der Vorsaison eine Identifikationsfigur aus besseren Tagen an Land gezogen hatte, folgte die Verpflichtung des ehemaligen KSC- und Bayern-Profis Kreuzer in der Sommerpause fast als logische Konsequenz. Nun strahlt der frühere UEFA-Cup-Teilnehmer nach den turbulenten Monaten unter Ex-Clubchef Paul Metzger wieder Ruhe und Gelassenheit aus. Das lässt auch die Sponsoren an eine bessere Zukunft glauben, denn: Die Logen im Wildpark, verkündet Wellenreuther stolz, seien wieder ausverkauft.

«Der Neuaufbau wird positiv bewertet und angenommen. Die Motivation und die Stimmungslage, auch im Verein selbst, sind riesig», meint der frühere Richter und KSC-Amateurfußballer.

Das zeigt auch die Neugier der Zuschauer. Dem «Kasperle SC» in der Vergangenheit häufig überdrüssig strömen sie nun wieder in den Wildpark. Zum Familientag kamen kürzlich 22 000 Fans, um die neue Mannschaft zu sehen. 14 000 davon hofft der Club durchschnittlich bei den Heimspielen begrüßen zu können. Mit bereits 7 200 verkauften Dauerkarten liegt er im Vergleich zum Vorjahr gut im Trend.

Der Trainer Scharinger muss da gelegentlich die Erwartungen etwas dämpfen, auch wenn sein Chef Wellenreuther einen Platz «im gesicherten Mittelfeld» fordert. «Die Mannschaft hat sich sozial gefunden, man spürt einen neuen Geist», sagt Scharinger. Doch ein so drastischer Umbruch könne nicht binnen sechs Wochen gelingen. «Wir müssen uns in die Saison hineinentwickeln. Ich bin optimistisch, aber auch realistisch. Daher habe ich bisher nur Zwischenziele definiert, die sich nicht in Tabellenplätzen ausdrücken lassen.»

Wellenreuther ist dagegen eines wichtig: «Wir möchten so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.» Und nicht wieder solche schrecklichen fünf Minuten erleben, möchte man anfügen. dpa

15.07.2011

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