nach oben
23.06.2011

Der berauschende Muskateller-Salbei

Muskateller-Salbei (salvia sclarea) gehört, wie der Echte Salbei, zur Gattung Salvia, deren Name sich vom lateinischen Namen salvare (heilen) ableitet. Der Artname sclarea kommt vom lateinischen clarus (rein), wohl ein Hinweis auf die Verwendung der Pflanze zum Reinigen der Augen. In der Tat steckte man die Samen der Pflanze unter das Augenlid, um durch ihren austretenden Schleim Fremdkörper aus dem Auge zu entfernen.

Im Mittelalter wurde die wärmeliebende Pflanze bei uns zunächst in Weinbaugebieten angesiedelt. Wein und wohl auch Bier würzte man mit dem ätherischen Öl der Pflanze, was die Farbe des Getränkes schönte, den Geschmack verfeinerte und auch die Rauschwirkung erhöhte.

Der Muskateller-Salbei ist ein stattliches, zweijähriges Kraut aus der Familie der Lippenblütengewächse. Aus den fleischigen Pfahlwurzeln wächst im ersten Jahr lediglich eine Blattrosette mit graugrünen, runzeligen, breiteiförmigen Blättern. Im Sommer des zweiten Jahres treibt dann der 1 bis 1,50 Meter hohe Blütenstand mit seinen attraktiven hellviolettfarbenen Lippenblüten, die in Ähren stehen.

Der Muskateller-Salbei bevorzugt einen warmen, sonnigen Standort und nahrhafte, durchlässige, kalkhaltige Böden. Die Aussaat der zweijährigen Pflanze erfolgt von Frühjahr bis Sommer direkt in das Freiland. Die jungen Pflanzen werden auf einen Abstand von etwa 30 Zentimetern vereinzelt und kommen im zweiten Jahr zur Blüte. Im Frühjahr oder Sommer des zweiten Jahres können die jungen Blätter und Blüten geerntet werden.

Einmal im Garten angesiedelt, breitet sich der Muskateller-Salbei durch Selbstaussaat stetig weiter aus. Das ätherische Öl der Blüten wird heute in der Kosmetikindustrie verarbeitet. Die Volksheilkunde verwendetdie getrockneten Blätter und Blüten als Tee gegen Blähungen, Koliken, Durchfall, Magenschmerzen und Schweißausbrüche. Doch Vorsicht: Wegen der leicht berauschenden Wirkung dürfen Muskateller-Salbei-Tees nicht über einen längeren Zeitraum getrunken werden. Burkhard Bohne, Kräuterschule