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23.10.2009

Die CSU und ihr Vorsitzender Horst Seehofer

Horst Seehofer hat diese Woche Post bekommen. Einen Brief von Franz Josef Wagner. Der wirft seine Werke bekanntlich nicht in einen Briefkasten. Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben veröffentlicht sie. Wagner schreibt also an den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten: „Gestern noch der Retter der CSU, heute im Sturzflug der Sympathiewerte.“ So weit, so richtig. Bizarr hingegen mutet sein Ratschlag an. Mit „Liebe“ möge die Republik den wankenden Spezl wieder aufpäppeln.

So viel menschliche Wärme ließen die ernst zu nehmenden politischen Kommentatoren Seehofer nicht zuteil werden. War er es doch, der aus den Koalitionsverhandlungen hervorpreschte mit der Ankündigung, die Bürger dürften spätestens ab 2011 mit Steuerentlastungen von 20 Milliarden Euro rechnen – just in einer Zeit, in der es überhaupt nichts zu verteilen gibt.

Seehofer hat das getan, weil er dringend in eigener Sache punkten muss. In der gesamten Republik – denn CSU-Granden stehen seit jeher außerhalb der Grenzen des Bajuwarenstaates nicht hoch auf der Skala der Sympathiewerte. Franz-Josef Strauß ist heute der Inbegriff des bärbeißigen Grantlers. Edmund Stoiber hat der Nation im Wesentlichen schräge Redebeiträge über Problembären und Transrapid-Strecken zwischen dem Flughafen und dem Bahnhof München vermacht. Und an Seehofers Vorgänger Günther Beckstein verblasst die Erinnerung still und leise. Gemeinsam ist den weiß-blauen Landesfürsten hingegen ihre „Mir san mir“-Mentalität – und die wirkt andernorts schier unerträglich.
Aber auch im Freistaat steht Seehofer unter Druck. Der selbst ernannte Retter der Christsozialen hat bei der Bundestagswahl mit 42,5 Prozent das schlechteste Zweitstimmen-Ergebnis aller Zeiten eingefahren.
Seehofer weiß ganz genau: Wenn er das zum Intriganten-stadl verkommene Traditions-Treffen der CSU im kommenden Januar in Wildbad Kreuth politisch überleben will, dann muss seine Bilanz schwarz sein – und zwar im kaufmännischen Sinne. Nur deswegen macht er dieser Tage bar jeder volkswirtschaftlichen Realität auf volksnah. Und er wird hinter den Kulissen mit aller Gewalt darauf drängen, der CSU mindestens drei Schlüsselministerien einzuverleiben.

Vielleicht sollte man sich den Namen Kurt Taubmann merken. In Bayern berichten die Medien bereits über den CSU-Ortsvorsitzenden aus dem Landkreis Ansbach. Der hat Seehofer daran erinnert, dass jener im November 2008 seinen Rücktritt angeboten haben soll: Für den Fall, dass die CSU bei den Bundestagswahlen noch schlechter abschneidet als bei den Landtagswahlen 2008. Diese Latte hat Seehofer gerissen. Und Kurt Taubmann wird hier und da bereits in einem Atemzug mit Gabriele Pauli genannt.