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31.07.2009

Die Investmentbanker sind wieder da

Es sind vor allem die kleinen Verfehlungen, die in unseren Köpfen die größte Empörung auslösen. Empörung jener Art, wie sie über Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt dieser Tage hereingebrochen ist, weil sie ihren Dienstwagen an ihren Urlaubsort beordert hat. Es entspricht auch Recht und Gesetz, dass eine Kassiererin gefeuert wurde, weil sie einen geringwertigen Pfandbon unterschlagen hat. Über die juristische Einordnung beider Fälle soll hier nicht befunden werden – es geht lediglich um ein zutiefst menschliches Phänomen, in dessen Windschatten viele Manager der Finanzkrise unbehelligt wieder ihrem Handwerk nachgehen können.

Krise?
Welche Krise?

Sie müssen sich sogar noch weniger Sorgen machen als früher – schließlich sichern die Steuerzahler ihre Milliarden-deals sogar mit sogenannten Rettungsschirmen ab; ohne die banküblichen Sicherheiten. Es gehört wohl zum System, dass aus den gigantischen Schäden der Finanzkrise bisher keine Konsequenzen gezogen wurden. Im Gegenteil: Der Untersuchungsausschuss zur skandalösen Pleite der Hypo Real Estate wird öffentlich kaum noch zur Kenntnis genommen, obwohl es hier um mehr als 100 Milliarden Euro Steuergelder geht und nicht um ein paar Cent. Das empörte Geschrei nach Gesetzesänderungen ist längst verhallt, der Alltag hat die Börse wieder stabilisiert und die Investmentbanker haben in den Finanzcasinos wieder das Regiment übernommen – der Milliardengewinn der Deutschen Bank lässt grüßen.
Wie wenig sich verändert hat, zeigt auch ein Blick nach New York.

Erinnern wir uns: Die zu den größten Verlierern der Krise zählende Citigroup erhielt 45 Milliarden Dollar an direkten Hilfen. Der Staat ist dafür nun mit 34 Prozent größter Aktionär der Bank. Doch ausgerechnet sie schüttete 2008 mehr als 5,3 Milliarden Dollar an Boni aus. Und das bei einem Jahresverlust von 27,7 Milliarden Dollar. Gut 700 Citi-Banker nahmen jeweils mehr als eine Million Dollar mit nach Hause.
Die höchsten Erfolgsprämien je Mitarbeiter zahlte die Wall-Street-Legende Goldman Sachs. Die Investmentbank schüttete im Schnitt mehr als 160 000 Dollar aus, insgesamt 4,8 Milliarden und damit doppelt so viel wie der Jahresgewinn der Bank. Auch bei Morgan Stanley und JP Morgan Chase wurden mehr Boni ausgezahlt als Gewinn gemacht.

An Stelle von Einsicht und Reue regiert also wieder das Kartell der Vertuscher. Bankvorstände, Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfer und die für die Bilanzierungsregeln zuständigen Organisationen, die die Ausbreitung der weltweiten Finanzkrise erst ermöglicht haben, haben wieder Oberwasser. Und ihnen ist es gelungen, die Verantwortung im Gestrüpp der weltweiten Finanzbeziehungen einmal mehr an die Steuerzahler durchzureichen.