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28.06.2009

Die Stadt wollte den Wechsel

Das Votum für Gert Hager war klar, überraschend klar. Offensichtlich ist es dem Herausforderer im Stich-Wahlkampf mit seinen Botschaften gelungen, deutlich mehr Menschen zu erreichen als Amtsinhaberin Christel Augenstein. Trotz breiter Unterstützung aus CDU und FDP konnte sie im zweiten Urnengang noch weniger Wähler von sich überzeugen als am 7. Juni. Im Gegenteil – der Abstand zwischen ihr und ihrem Herausforderer mit gut 6000 Stimmen weist deutlich darauf hin, dass die Stadt doch den Wechsel wollte. Die Materialschlacht nach ihrem zögerlichen Wahlkampf-Auftakt konnte die bisherige Rathaus-Chefin deshalb politisch auch nicht mehr retten.

Gert Hager hat sich die Chance redlich verdient. Er hat einen professionellen Wahlkampf geführt und dafür breite Zustimmung der Bevölkerung geerntet. Und die wird auch nötig sein, weil das OB-Amt Hager in den nächsten acht Jahren viel Kraft abverlangen wird. Nach diesem Wahlkampf erwartet die Bevölkerung völlig zu Recht, dass der bisherige Dezernent für Bildung, Kultur, Sport und Soziales als neuer OB seinen Worten alsbald auch Taten folgen lässt.

Sein Vorsprung im Wahlergebnis hat zwei Seiten. Es zeigt zunächst einmal, dass die Wähler mit deutlicher Mehrheit hinter dem neuen Mann an der Spitze der Bürgerschaft stehen. Ein zu knapper Sieg hätte Pforzheim auch politisch spalten können – womit niemandem gedient wäre, am wenigsten der Stadt. Die Kehrseite der Medaille ist die aber nochmals geringere Wahlbeteiligung. Wer mit über 18 000 Stimmen gewählt wird, ist nach demokratischen Regeln zwar legitimer Amtsinhaber, aber die tatsächliche Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert er damit noch nicht. An dieser Stelle müssen sich Wähler und Gewählte Gedanken machen, sonst stellt sich irgendwann die Frage nach der Legitimation.

Bleibt da noch der Gemeinderat. Hier muss sich der „Neue“ von Zeit zu Zeit Mehrheiten beschaffen. Da er ähnlich wie seine Amtsvorgängerin keine eigene Mehrheit mitbringt, muss er schon eine überzeugende Arbeit präsentieren, um das politisch jetzt eher bunte Gremium zu überzeugen. Sonst geht nichts voran.