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20.01.2012

Die Suche nach der "echten Wahrheit"

Die Kriegsberichterstattung im Allgemeinen ist die objektive Wiedergabe der Fakten und Ergebnisse, die sich am Kriegsschauplatz abspielen. Die Arbeit des Reporters ist klar definiert, nämlich Zivilisten ausfindig zu machen und diese zu befragen, um ein klares Bild von den Geschehnissen zu erhalten. Die anschließende Wiedergabe ist für das jeweilige Heimatland dann wohl eine der wichtigsten Informationen, um über den Kriegsverlauf informiert zu sein.

Bei solch wichtigen Informationen stellt sich also für uns Leser die Frage: Ist dieser Text die Wahrheit? Dazu muss man zunächst den Begriff Wahrheit näher definieren. Wahrheit ist die korrekte und nüchterne Wiedergabe der Fakten. Ist es also eine Lüge, wenn der Reporter wichtige Fakten außen vor lässt? Ich denke dies ist auf keinen Fall die „echte Wahrheit“. Ein einfaches  Beispiel dafür ist alltäglich in beinahe jedem Kindergarten zu finden. Ein Kind schlägt ein anderes, da es zuvor von diesem gehauen wurde. Wer nun schlicht sagt, das eine Kind hat das andere Kind geschlagen, erzählt zwar die Wahrheit, lässt jedoch einen wichtigen Teil der Fakten außen vor. Ähnlich verhält es sich beim Reporter. Bekommen wir als Zuschauer auch nur die halbe Wahrheit  mit? Sind nicht eventuell gar wir diejenigen, die angefangen haben und damit die Schuld an allem tragen? Diese Fragen drängen sich automatisch auf, wenn man länger und genauer darüber nachdenkt. Die Schuldfrage bei dieser Problematik ist oft nicht direkt auf den Reporter zu beziehen, sondern eher auf das häufig involvierte Militär, das den Reporter zu solch einer Art der Wiedergabe veranlasst. Bei genauerem Studieren der Bilder und Berichte merkt man, dass fast in jedem Fall einseitig berichtet wird. Oder ist Ihnen schon einmal ein Bericht aufgefallen, in dem das Handeln der Kriegsgegner auch nur ansatzweiße gerechtfertigt wird?  

Das Militär möchte im eigenen Land im rechten Licht dastehen und schiebt deshalb bestimmten Reportern bestimmte Informationen zu. Wer zu viel fragt oder gar hinterfragt, ist ein Problem aus Sicht des Militärs. Und Probleme aus Sicht des Militärs müssen meistens geklärt werden -  auf die eine oder die andere Weise. Welcher Reporter würde sich nun also noch für die klare, nüchterne und ehrliche Wiedergabe der „echten Wahrheit“ entscheiden?  Das Militär führt also bei jedem Krieg zwei „Kriege“. Den einen Konflikt mit Waffen, und den Anderen, gegen die eigene Bevölkerung, der mit gezielten Entlassungen von Reportern, perfekt inszenierten Bildern und ausgewählten Videos gewonnen wird. Ein solches Szenario bietet sich beinahe jeden Tag. Ein engagierter Reporter, der seinen Job wirklich ernst nimmt und versucht die Welt, wenn auch nur ein kleines Stück, zu verbessern, wird entlassen oder gar bedroht, nur weil er die in dieser Gesellschaft so strikt geforderten Ideale vertritt und versucht für diese einzustehen.

Die oben genannte Objektivität bleibt also oftmals verständlicherweise auf der Strecke. Deshalb liegt es an uns Lesern den Funken Wahrheit  im Gewirr voller Lügen und Inszenierungen zu erkennen und uns durch richtige Recherchen nicht hinters Licht führen zu lassen. Dies zu schaffen erfordert zwar absolute Aufmerksamkeit, ist jedoch Ziel eines jeden Bürgers, der sich nicht bevormunden lassen will im Spiel mit der Wahrheit und Mitsprache. Moritz Pohler