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07.01.2011

Dioxin-Skandal

Die Reflexe kennen wir nur allzu gut: Kommt ein Lebensmittelskandal ans Licht, ist die Empörung groß und der Ruf nach schärferen Kontrollen laut. Das war schon immer so – bei BSE genauso wie beim Gammelfleisch. Auch diesmal ist es nicht anders. Doch schon jetzt ist ebenso klar: Der nächste Skandal kommt bestimmt – und zwar unabhängig davon, auf welche Konsequenzen sich die Politik im aktuellen Fall einigen wird.

Guten Appetit!

Zweifellos wird niemand gegen mehr und strengere Kontrollen sein. Nur scheitern die oft am Geld. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Deshalb darf sehr wohl bezweifelt werden, dass die jetzt erneut gebetsmühlenartig vorgetragenen Forderungen von Politik und Verbänden zu mehr Sicherheit führen werden. Zumal strengere Kontrollen nicht das eigentliche Problem lösen.

Die Ursachen für die Lebensmittelskandale liegen schließlich ganz woanders. Eine Ursache ist zunächst in unserer Massenkonsumgesellschaft begründet. Ohne eine industrielle Nahrungsmittelproduktion lassen sich deren Bedürfnisse nicht befriedigen.

Gleichwohl hängt viel vom Konsumverhalten jedes Einzelnen ab. Ein Konsumverhalten, das sich auch und gerade bei Lebensmitteln oft am Billigsten orientiert, erhöht zwangsläufig die Gefahr, dass mit Eier, Milch, Fleisch & Co. Schindluder betrieben wird.

Es ist ein Teufelskreis. Die Nachfrage nach Billigprodukten erhöht den Druck auf die Hersteller. Diese wiederum versuchen, so günstig wie möglich zu produzieren, um den Bedarf an höchst preiswerten Lebensmitteln decken zu können. Das Paradoxe daran: Oft ist den Verbrauchern sehr wohl bewusst, dass ihre Billig-Mentalität negative Folgen fürs System haben muss. Ihr Verhalten ändern sie trotzdem nicht.

Hinzu kommt, dass sich der industrielle Umgang mit Fetten als Problem entpuppt. So werden in Betrieben jene Fette, die für die Futtermittelproduktion verwendet werden, oft neben reinen Schmierstoffen gelagert. Hier muss man in der Tat jene unterstützen, die eine klare Abtrennung dieser beiden Bereiche fordern. Bleibt noch die kriminelle Energie Einzelner. Dagegen ist selbst die Ökobranche nicht gefeit. Wir erinnern uns: Beim letzten Dioxin-Skandal im Frühjahr 2010 wurde Bio-Futtermittel verseucht. Eine härtere Gangart bei der Rechtsprechung würde sicherlich zu einer höheren Abschreckung beitragen.

Am Ende aber bleibt: Wir Verbraucher können uns der Verantwortung nicht entziehen, dass unsere Essgewohnheiten die Regeln in der Nahrungsmittelproduktion maßgeblich beeinflussen. Wer sich dessen bewusst ist und an der Ladentheke entsprechend handelt, trägt zu einem höheren Qualitätsbewusstsein innerhalb der Branche bei. Der gesunden Ernährung zuliebe.