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16.09.2009

Diskussion nach S-Bahn-Mord

Die Kosten stehen im Mittelpunkt. Seit Jahrzehnten wird der öffentliche Nahverkehr nur durch die ökonomische Brille betrachtet. Im Zuge dessen wurden jahrzehntelang vor allem Personalkosten gedrückt.Schaffner in Stadtbussen kennen nur noch die Älteren unter uns aus eigenem Erleben.  Der Rotstift der Finanzpolitik leerte unerbittlich Haltestellen und Züge von Schaffnern und Ticketverkäufern – der Siegeszug der Fahrkartenautomaten ließ manche Bahnhöfe regelrecht verwaisen. Die Kehrseite dieser Entwicklung bekommen wir nun mehr und mehr schmerzhaft zu spüren. Der Nahverkehr und seine Haltestellen sind zu Punkten geworden, wo wir Kriminalität und Gewalt hilflos begegnen.

Der Rückzug von Polizeikräften aus der Fläche und die Automatisierung auf Bahnhöfen haben ein Sicherheitsvakuum hinterlassen. Dass Videokameras eingesetzt werden, um dem entgegenzuwirken, hat vornehmlich die Dokumentation der Brutalität ermöglicht. Verhindern tut sie diese eher weniger. Durch die Verfügbarkeit von Handys und mit Zivilcourage lässt sich dieses Vakuum ebenfalls nicht füllen. So konnte es geschehen, dass offenbar in Anwesenheit mehrerer Zeugen ein mutiger Mann sein Leben ließ. Zurecht rufen Politiker wie Frank-Walter Steinmeier (SPD) oder Peter Gauweiler (CSU)deshalb nun nach Sicherheitspersonal. Reichlich spät beginnt man nach etlichen Gewaltexzessen in U-Bahnhöfen und dem schrecklichen Mord in München einzusehen, dass die Bürger allein nicht in der Lage sind, der Brutalität verwahrloster Jugendlicher die Stirn zu bieten.
Der schockierende Mord von München stellt uns nämlich drängender denn je die Frage: Was muss eigentlich noch passieren, damit der öffentliche Nahverkehr nicht mehr vornehmlich aus der Perspektive von Haushaltspolitikern betrieben wird? Oder anders formuliert: Warum ist uns die Sicherheit vor der eigenen Haustür so wenig wert?