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29.01.2010

Diskussion um Bonuszahlungen und Bankenregulierung

Das lässt aufhorchen: Bosch-Chef Franz Fehrenbach beklagte diese Woche, dass viele Großbanken keine Lehren aus der Finanzkrise gezogen hätten und geißelte deren „üppige Bonuszahlungen“. Fehrenbach drohte sogar, künftig keine Geschäfte mehr mit Geldinstituten zu machen, die sich zu großzügig bei der Bezahlung ihrer Manager zeigten. So etwas hat man von einem Konzern-Chef in dieser Deutlichkeit noch selten gehört.

Fehrenbach wollte mit dieser Manöverkritik vielleicht davon ablenken, dass sein Unternehmen im vergangenen Jahr erstmals in der Nachkriegsgeschichte in die roten Zahlen gerutscht ist. Auch steht der Konzern sehr stark in der Tradition von Firmengründer Robert Bosch, dessen Lebensmaxime es war, unter anderem auf die „sittlichen und geistigen Kräfte des Volkes“ hinzuwirken. Dieser Umstand unterscheidet Bosch-Boss Fehrenbach in der Beurteilung von Machenschaften auf den Finanzmärkten von vielen anderen Konzern-Lenkern. Das Problem ist, Fehrenbachs Appell wird bei vielen seiner Kollegen auf taube Ohren stoßen. Verhallt er, so ist dies das Signal an die Großbanken, einfach so weiterzumachen wie bisher. Die Party ist jedenfalls schon jetzt wieder so ausgelassen, als hätte es das Gezocke an den Finanzmärkten, das die Weltwirtschaft zum Abstürzen gebracht hat, nie gegeben.
Daran etwas ändern kann und muss die Politik. Es ist die Chance für die Regierenden, den Globalisierungsprozess, dem die Politik oft machtlos gegenübersteht, aktiv mitzugestalten. Gut, dass sich die USA, Großbritannien und Frankreich dazu entschlossen haben, die international agierenden Großbanken künftig viel stärker zu reglementieren. Schlecht, dass sich die Bundesregierung hier noch ziert und ein klares Bekenntnis vermissen lässt. Durch das zögerliche Verhalten Berlins besteht die Gefahr, dass es zu Alleingängen beispielsweise von US-Präsident Barack Obama kommt. Das aber wäre fatal. Denn eines ist klar: Reglementierungen auf dem internationalen Finanzmarkt machen nur Sinn, wenn sie auch weltweit gelten und eingehalten werden müssen. Nur so lassen sich Schlupflöcher im globalen Finanzsystem vermeiden, in denen sich neue, für die Weltwirtschaft bedrohliche Blasen bilden können.
Diese zu verhindern, daran müsste Bundeskanzlerin Angela Merkel stärker mitwirken – im Interesse der Wirtschaft wohlgemerkt, also jener Tausenden Firmen, deren Unternehmensziel es ist, hierzulande zu produzieren und Arbeitsplätze zu sichern, die aber durch die Folgen der Finanzmarktkrise derzeit ums Überleben kämpfen. Sollte sich die Kanzlerin endlich zu strengeren Regeln im Bankensektor durchringen, wären die mahnenden Worte von Bosch-Chef Fehrenbach nicht umsonst gewesen.