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13.11.2008

Diskussion um die Hauptschule

Da ist sie wieder: Die reflexartige Forderung nach der Abschaffung der Hauptschule, kaum wird über die Probleme dort gesprochen. Aber glaubt im Ernst jemand daran, dass die Probleme verschwinden, wenn man die Hauptschule abschafft? Das einzige, was dann leichter wird, ist das Wegsehen.

Ja, es gibt viel zu tun. Ja, die Probleme der sozialen und sprachlichen Integration oder der Perspektivlosigkeit ballen sich an vielen Hauptschulen. Ja, das ist unbequem. Aber die Probleme müssen gelöst werden! Nicht aufgesplittet und verteilt, so dass das wahre Ausmaß leichter verschleiert werden kann – so wie bei den Arbeitslosen, die massenweise trickreich aus der Statistik wegdefiniert werden, so dass ihre Zahl schön niedrig erscheint. Frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Nur: Davon haben die Betroffenen nichts.
Genausowenig haben Kinder etwas davon, wenn sie statt an einer Hauptschule an einer Gesamt- oder Realschule den Abschluss nicht schaffen, weil auch dort das Geld für eine vernünftige Förderung und Einbindung fehlt.
Wer zur Begründung seiner Abschaffungspläne ständig betont, wie groß die Kluft der Hauptschüler zum Rest der Welt ist, braucht sich nicht wundern, wenn die resignieren. Und es ist keine Überraschung, wenn Ausbildungsbetriebe Hauptschüler dann von vorneherein als unfähig abstempeln und ihnen erst gar keine Chance auf eine Lehrstelle geben.
Pauschal die Abschaffung zu fordern ist ein Schlag ins Gesicht all der Hauptschulen und ihrer Lehrer, die es durchaus schaffen, den größten Teil ihrer Schüler mit Abschluss in ausbildungsfähigem Zustand zu entlassen.
Und sollte die Kluft mancherorts tatsächlich so groß sein, muss die Politik daran arbeiten, sie kleiner zu machen: Mit Geld, mit mehr Lehrern, mit Sozialarbeitern. Denn wie sollen Kinder, die schon mit dem Hauptschulniveau Probleme haben, noch eine Stufe höher springen?