nach oben
22.02.2008

Doppel-Moral von Managern begünstigt Linksruck

Der Zorn wächst. Vielerorts in Deutschland verändert sich in diesen Wochen und Monaten die Grundstimmung bei den Menschen. Am Ende, vielleicht schon am Abend der nächsten Bundestagswahl, könnte das stehen, was schon seit einiger Zeit nebulös als Schreckgespenst durch die Republik geistert: ein Linksrutsch von Gesellschaft und Politik. Sage aber niemand, dies habe sich nicht abgezeichnet.

Das erste markante Warnzeichen war das Wahlergebnis in Hessen. Sollte das Signal in Hamburg am morgigen Wahlabend schwächer ausfallen, wird dies nur den sehr speziellen Verhältnissen in der Hansestadt zuzuschreiben sein, die weniger eine so breite Stimmung widerspiegeln wie die Wahl im bevölkerungsreichen Bundesland Hessen.
Vielen Menschen reicht es. Sie haben lange genug stillgehalten nach den der Wirtschaftskrise geschuldeten notwendigen Einschnitten. Sie haben genug von Managern, die Unternehmen mit Fehlentscheidungen zugrunde richten und mit Millionen abgefunden werden, während Tausende entlassen werden müssen. Genug von der Doppel-Moral jener sogenannten Leistungsträger der Gesellschaft, die zwar selbstverständlich herausragende Gehälter für herausragende Leistungen beanspruchen, die Gesellschaft und die weniger privilegierten Mitmenschen aber betrügen, indem sie sich weigern, ihren Teil zurückzugeben. Genug von Korruption und ungenierter Selbstbedienungsmentalität einer kleinen Schicht, von Maßlosigkeit und fehlendem Unrechtsbewusstsein; und genug davon, genau diese Leute über Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger als Sozialschmarotzer reden zu hören und berechtigten Unmut als Sozialneid zu verhöhnen.
Die Menschen, die Monat um Monat immer neue Preissteigerungen zu verkraften und immer weniger Geld zur Verfügung haben, haben genug von den Aufforderungen zu maßvollen Lohn- und Tarifabschlüssen aus den Mündern genau dieser Leistungsträger. Das zeigte sich schon in der großen Solidarität der Bevölkerung für die Lokführer und die Bereitschaft, die Folgen des Bahnstreiks zu erdulden. Seit gestern setzt es sich fort in einer breiten Unterstützungswelle für die Streikenden im öffentlichen Dienst und ihre Forderung nach acht Prozent mehr Lohn und Gehalt; eine Forderung die zu erheben sich jeder rechtschaffene Bürger noch vor kurzem geniert hätte. Diese Stimmung wird sich noch in vielen Bereichen Bahn brechen.
Wenn die etablierten Parteien nicht schnellstens darauf reagieren und den Menschen das Gefühl geben, diesen Unmut ernst zu nehmen, überlassen sie denen das Feld, die außer „Ihr da oben – wir da unten“-Parolen bislang kaum etwas zu bieten haben. Was dann passiert, zeigt sich in Hessen: Wo bürgerliche Parteien in überholten Feindbildern erstarren, führt der Weg zur Macht zwangsläufig nach links.