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20.01.2012

Ein Leben im Krieg - Journalisten zwischen den Fronten

Ein Haus wird in Afghanistan in die Luft gesprengt. Kinder sterben kläglich, Wohnsitze werden erbarmungslos zerstört und Journalisten fotografieren. Welches von diesen zahlreichen Bildern wird in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten, veröffentlicht werden und neues Grauen in der Bevölkerung erwecken? Die Journalisten setzten ihr Leben aufs Spiel um den Schnappschuss zu erlangen, um die Story zu schreiben. Aber warum?

Was ist es, was sie dazu verleitet alles zu riskieren, um Menschen in einer anderen Welt über Kriegsereignisse zu informieren? Wollen sie Ruhm oder Ehre erlangen? Was hält sie dort? Sind die Beweggründe persönliche Ideale, die sie im Kriegsgebiet halten? Oder ist es doch nur Abenteuerlust? Welche Motive stecken wirklich hinter den langen Reisen und den gefährlichen Auseinandersetzungen der Journalisten?

Es ist selbstverständlich, das Leben in Kriegs- und Krisengebieten ist gefährlich. Allein innerhalb von nur wenigen Wochen gab es neun getötete Journalisten im Irak, acht in Afghanistan und den Tod von Daniel Pearl, der in Pakistan entführt und hingerichtet wurde. All dies wird auf sich genommen, nur um unabhängig und umfassend vom Ort des Geschehens berichten zu können. Außerdem waren es 538 Journalisten, die im Zeitraum von 1994 bis 2002 in Ausführung ihres Berufes starben, 254 davon in Krisengebieten. Und bei 73% geht man davon aus, dass sie vorsätzlich getötet wurden. Die Berichterstattung aus Kriegs- und Krisengebieten scheint immer gefährlicher und risikoreicher zu werden, und dennoch gibt es sie, diejenigen, die sich dazu bereit erklären, Informationen vor Ort zu sammeln. Zunächst muss geklärt werden, warum Journalisten überhaupt in Kriegsgebiete einziehen, um Bericht zu erstatten. Man könnte sich überlegen, dass Krieg eine kapitale Auseinandersetzung ist und die Personen, welche sich am meisten mit dem Thema Krieg beschäftigen, auch diejenigen sind, denen es am meisten zu schaffen macht.

Journalisten sind Personen, die sich nicht mit der Gewohnheit und Selbstverständlichkeit des Krieges arrangieren können und deshalb suchen sie immer wieder nach Wegen, Krieg außergewöhnlich und fremd erscheinen zu lassen. Dies schafft man, indem man immer neue Ereignisse über den Krieg aufdeckt, um ihn wieder anders und neu wirken zu lassen. Die Kriegsberichterstatter wollen den Lesern die immer  herrschende Grausamkeit zeigen, die sich im Grunde nicht verändert, jedoch immer ein neues Erscheinungsbild hervorbringt. Denn mit jedem weiteren Tod, mit jeder weiteren Vergewaltigung wird der Terror in unserer Welt schlimmer und schlimmer. Diese obengenannte Absicht hatte auch ein Bild von Nick Út, das ein nacktes, schwer verletztes Mädchen und weitere Kinder zeigt, die vor einem Bombenangriff in Vietnam fliehen. Mit diesem Bild verbreitete sich eine reißende Welle des Entsetzens und des Schocks durch die westliche Welt und der Fotograf Nick Út erhielt dafür den Pulitzer-Preis für herausragende journalistische Leistungen. So kann man schließen, dass Journalisten dafür sorgen, dass die Gesellschaft den Blick nicht abwendet, nicht wegschaut, wenn in der Welt Krieg herrscht. Sie zeigen den Menschen was wirklich passiert, dies ist zumindest die allgemeine Vorstellung.

Man könnte auch eine andere Ansicht vertreten, wie es der Autor Nicolas Born, der den Roman "Die Fälschung" über einen Kriegsberichterstatter geschrieben hat, tut. Er entlarvt, dass Leser mittlerweile schon nach Schrecken und Skandalen dürsten. Außerdem zeigen solche anderen Überlegungen, dass Kriegsberichterstatter nur noch vorhanden zu sein scheinen, um den Lesern "ihre" Schlachten zu liefern.

Und doch - die meisten Journalisten werden auf die Frage nach den Gründen für ihre gefährliche Arbeit selbst auf andere, menschenfreundlichere Motive hinweisen. Es sei das eigene Versagen, das sie umtreibt und das Gefühl, die furchtbare Wirklichkeit des Krieges bisher nicht angemessen abgebildet zu haben, so Carolin Emcke, eine Reporterin, die oft aus Krisengebieten berichtet. Es scheint eine unerfüllte Suche nach dem richtigen Bild, dem richtigen Ausdruck, der das sinnlose Sterben vielleicht erklären könnte, den es aber nie geben wird.

Kriegsberichterstatter sind mehr als nur Verfasser von Berichten. Sie sind die Menschen, die sich Tag für Tag mit dem Thema Krieg auseinandersetzen und uns so stückweise näher an die Wahrheit bringen wollen. Caroline Feil