


Ein Lächeln. Hände, die mit Gratulationen beschäftigt sind. Ein Gang durch den Ratssaal, wo das Wahlergebnis verkündet wird. So wie Hans-Joachim Bruch sehen Sieger auf. Bruch von der Liste Bürgerbeteiligungshaushalthat bei der Pforzheimer Oberbürgermeister-Wahl neun Prozent der Stimmen geholt, und das ist mehr, als die meisten Beobachter für möglich gehalten hätten. Bruch aber wehrt die Gratulationen vieler Bekannter und einer ganzen Reihe von Ratskollegen ab, spaßhaft, sagt: „Ich habe doch gar nicht gewonnen, ich bin es doch nicht geworden.“ Und dann, im Ernst, fügt er an, dass er froh sei, wenn es vorbei ist.
Ähnlich mag es sich mit Michael Schwarz verhalten, dem Vorsitzenden der Freien Wähler Pforzheim und zweiten Außenseiter-Kandidaten. Beide geben zu verstehen, dass sie eher nicht mehr antreten wollen, wenn am 28. Juni der zweite und definitiv letzte Wahlgang stattfindet. Schwarz strahlt deutlich weniger als Bruch, aber im Verlauf des frühen Sonntagabends haben viele so ihre Momente, bei denen ihnen das Lächeln vergeht.
Amtsinhaberin Christel Augenstein zuallererst. Eine Stunde lang, so berichten es Mitarbeiter, habe sie in ihrem Büro verracht, bevor sie gegen 20.40 Uhr zur Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses in den mittlerweile randvollen Sitzungssaal des Gemeinderats kommt. Dort, wo sonst sie die Chefin ist, die Vorsitzende des Gemeinderats. Tapfer lächelt sie, tapfer stellt sie sich den Fragen der Journalisten, aber die Anspannung ist nicht zu übersehen.
Dann kommt der Moment, in dem Gert Hager, der nach dem ersten Wahlgang Führende, den Saal betritt. Er geht auf die Runde zu, die sich um Augenstein gebildet hat. Wartet, bis der Moment für den Händedruck gekommen ist. Beide sichern sich zu, einen weiterhin fairen Wahlkampf zu führen. Beide lächeln. Eisig.
Angespannte, bisweilen eisige Mienen haben auch Augensteins Parteifreunde aufgesetzt, der Pforzheimer FDP-Kreisvorsitzende Hans-Ulrich Rülke und der FDP-Bundestagskandidat Erik Schweikert. Und selbst bei den Parteifreunden von Gert Hager ist die ansonsten kaum verhohlene Freude über den Stimmenvorsprung ihres Kandidaten gedämpft durch den Blick auf die Wahlbeteiligung. Keine 40 Prozent. „Früher“, sagt die SPD-Gemeinderatschefin Dorothea Luppold mehr zu sich als zu ihren Nebensitzern, „haben die Leute ihr Leben riskiert, um für das Wahlrecht zu kämpfen.“
Und dann gibt es noch die Gelassenen. Die Stadträte Gerhard Sonnet (Freie Wähler) und Bernd Zilly (Unabhängige Bürger) sind welche. Auch Wolfgang Schick, der Pforzheimer CDU-Vorsitzende, ist so einer. Selbst wenn ihm das Ergebnis nicht gefällt. Es hilft ja nichts. Mit der Ungewissheit müssen sie jetzt leben, bis zum 28. Juni. Marek Klimanski





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