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28.03.2008

Emo-Demo

Vor allem ist Winter gar nicht gut für Frühlingsgemüter – er kann sie vergiften. Wenn die Laune des ausgehfreudigen Menschen ob der Witterung in ungeahnte Tiefen sinkt, dann motzt man, bruddelt, wird unsensibel, kümmert sich weniger um die (Frühlings-)Gefühle des Gegenübers. Dann herrscht Eiseskälte – drinnen wie draußen. Dies potenziert die Gefahr, sich das Herz zu verkühlen. Und: So eine Erkältung des Herzens ist deutlich schwieriger zu kurieren als eine der Atemwege. Musik hilft.

Szeneapplaus.  Ich empfehle musikalische Medizin der Band „We’re not Superheroes anymore“. Ihre Spielarten heißen Emo und Screamo. Achtung: Diese Musik macht traurige Hörer noch trauriger. Die Botschaft ihrer Musik schwankt zwischen einem energischen „Das Leben ist kein Ponyhof!“ und einem verzweifelten „Das Ende der Welt ist gekommen, wir werden alle untergehen!“ Klar, das ist alles andere als vogelzwitschernd-fröhliche Frühlingsmusik. Doch es ist ja auch kein Frühling. Schon deshalb darf dieses emotionale Pulverfass aus dem Londoner Untergrund – bis obenhin gefüllt mit hysterischer Musik – als tröstlich empfunden werden. Wer’s fühlen will, muss googeln.
So wie Tausende jeden Tag die Band googeln. Auch Platten-Bosse. Nur interessiert sich das Quartett nicht für einen Plattenvertrag. Sie haben keinen, wollen keinen. So unbelastet von allem Kommerz klingt jedes Lied wie ein Demo. Ein Emo-Demo.
Gegenprogramme zu Emo sind Reggae und Dub. Jene, die musikalisch auf den Spuren Bob Marleys wandeln, haben’s gerne lebensfroh. Zum Beispiel die Gruppe „Lion Roots Soundsystem“ aus Südfrankreich und der Londoner Sänger Jah Marnyah. Die eine wie der andere verbreiten am Freitag im „Virgin Club“ Lebensfreude. Zeitgleich feiert der „Flash Musicpalace“ seinen sechsten Geburtstag.

Szenewechsel. Noch einmal zurück zu DJ Hildegard, die am Sonntag das „Casablanca“ verzauberte mit Electro, House und Techno. Ein Video dazu findet ihr auf der Internetseite der PZ.