nach oben
23.07.2009

Ende der Ära Wiedeking

Schade drum: Schade, dass Wendelin Wiedeking auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn seinen genialen unternehmerischen Instinkt verlor. Schade, dass der Porsche/VW-Familienclan diese Schwäche zu einem absurden wie überflüssigen Theater eskalieren ließ. Schade, dass am Ende jener Mann von Bord gehen muss, der Porsche zu dem gemacht hat, was es heute ist.

Am Ende war sein Rückzug unvermeidlich, im Grunde hätte es aber nie dazu kommen müssen. Porsche ging es blendend, ehe der erfolgsverwöhnte Wiedeking den berühmt berüchtigten Plan schmiedete, VW zu übernehmen – und zwar nach seinen Regeln und in seinem Stil. Dazu gehörte auch mächtiges Gepolter Richtung Wolfsburg, wo nach seiner Ansicht nicht alles so lief, wie es sich ein Wendelin Wiedeking vorstellt. Bei Porsche war das ganz anders: In Zuffenhausen konnte er nach Belieben schalten und walten – der Erfolg gab ihm ja auch Recht. Vielleicht hatten ihn 17 Jahre uneingeschränkte Herrschaft im vergleichsweise beschaulichen Porsche-Reich nur für einen Moment verblendet – es reichte jedenfalls, um die Lawine ins Rollen zu bringen, die ihn gestern vom Chefsessel fegte.
So zu tun, als wäre da nur irgendein Manager verabschiedet worden – wie es Wolfgang Porsche gestern mit dem Spruch „es ist doch alles wunderbar“ signalisierte – ist Unsinn. Nichts ist wunderbar, wenn der Mann gefeuert wird, der seine Firma kurz vor dem Ruin übernahm und zu einem Vorzeigeunternehmen formte. Sicher: Auch Wiedeking ist kein Übermensch. Aber er war so etwas wie ein Übermanager, den man in Zuffenhausen schmerzlich vermissen wird.
Porsche mag Porsche bleiben. Dennoch: Wer weiß schon, ob sich der Zusammenhalt der eingeschworenen Truppe und der besondere Geist in der kleinen aber feinen Sportwagenschmiede ohne Wiedeking und unter dem Dach von Volkswagen auf Dauer konservieren lässt? Wer weiß, ob das Unternehmen die Herausforderungen meistert, die sich aus der zunehmenden Rohstoffknappheit und dem Trend zur umweltschonenderen Fortbewegung ergeben? Wer weiß, ob einer wie Wiedeking zu ersetzen ist? Es brechen schwierige Zeiten an.