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10.04.2009

Entwicklung der Kinderzahlen in Deutschland

Bemühen wir doch einmal die Statistik: Seit den 70er-Jahren liegt die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, zwischen 1,3 und 1,5. Um den Bevölkerungsstand in Deutschland ohne Zuwanderung zu halten, müsste das sogenannte "Reproduktionsniveau" aber bei 2,1 liegen.

Was lehrt uns das? Der Geburtenrückgang und vor allem die daraus resultierenden Probleme sind altbekannt und – das wissen wir seit dieser Woche – nach wie vor ungelöst. Denn: Das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen als wirkungsvolles Instrument gepriesene Elterngeld wurde von den nackten Zahlen entzaubert. In Deutschland kommen wieder weniger Kinder zur Welt; das Zwischenhoch lässt sich ganz einfach durch die gut geplante Erfüllung von Kinderwünschen erklären: So manches Baby erblickte eben erst nach Einführung des Elterngeldes das Licht der Welt.

Die Frage muss also zwangsläufig gestellt werden: Hat die Politik überhaupt einen direkten Einfluss auf die Entwicklung von Geburtenzahlen? Die ehrliche Antwort muss lauten: Wenn überhaupt, dann nur in ganz bescheidenem Umfang.

Denn die Gründe dafür, dass in einem der reichsten Länder der Welt immer weniger Kinder geboren werden, sind vielschichtig – und in vielen Bereichen stehen die Ziele der Politik einer Steigerung der Geburtenrate paradoxerweise sogar entgegen. Tatsächlich erlaubt gerade der Wohlstand vielen Menschen heute eine Art der persönlichen Lebensentfaltung, die mit Kindern nicht mehr in Einklang zu bringen ist – denn die kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt auch die stetige Verbesserung der Bildungschancen von Frauen in den zurückliegenden Jahrzehnten. In der logischen Konsequenz sehen diese gut ausgebildeten Frauen ihre Zukunft heute im Büro und nicht in der Küche.

Das alles geht einher mit einem ganz grundsätzlichen Umdenken über den Wert von Kindern und der Auflösung traditioneller Familienformen, für die die Gesellschaft zumindest im Blick auf das Wohl von Kindern noch keinen adäquaten Ersatz gefunden hat. Familienplanung findet, wenn überhaupt, immer später statt und der Stellenwert der Sexualität ist ein ganz anderer geworden: Hier darf es gerne ein bisschen abwechslungsreicher sein, aber bitte ohne Verbindlichkeiten.

Zurück zur Politik: Mit im Ergebnis ganz offensichtlich fragwürdigen Subventionsprogrammen wie dem Elterngeld durchschlägt man diesen gordischen Knoten längst nicht mehr. Der Politik muss es vielmehr gelingen, dass sich in den Köpfen dieser Republik eine ganz banale Gewissheit verankert: Kinder sind unsere Zukunft. Der Rest findet sich dann von selbst.