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06.07.2009

Erste Verleihung des Ordens für Tapferkeit: Verpasste Gelegenheit

Gut, dass es wieder einen Orden für besondere Tapferkeit im Dienst der Bundeswehr gibt. Die Regierung hat den Streitkräften damit Jahrzehnte nach ihrer Gründung einen wohl letzten Schritt zur Normalität gewährt. Und das Gerede um den heißen Brei sollte nun damit eine Ende haben.

Die Truppe ist keine staatliche Ausgabe des Technischen Hilfswerks mit Lizenz zur Selbstverleugnung, sondern eine hochtechnisierte Armee, die Krieg führt – obgleich es sich am Hindukusch um keinen zwischenstaatlichen Kampfeinsatz handelt.

Ein solcher Orden dient als unabdingbares Mittel zur Motivation im schwierigsten Einsatz. Weniger gut, dass die Form des neuen Ehrenkreuzes für Tapferkeit in der Form fast nahtlos an das Eiserne Kreuz anknüpft; dessen stilisierter Umriss hat die junge Bundesrepublik 1956 als Hoheitszeichen der – damals höchst umstrittenen – Armee ausgewählt und damit Nähe zur nicht immer nur ruhmreichen Wehrmacht signalisiert. Diese Entscheidung muss sicherlich auch 53 Jahre danach nicht als eine der glücklichsten Entscheidungen des sieben Jahre jungen Staatswesens betrachtet werden.

Leider hat es Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) nun versäumt, zumindest eine leichte Korrektur vorzunehmen und dem neuen Orden eine neutralere, weniger von der Geschichte belastete Form zu geben. Schließlich wurde das Eiserne Kreuz im Zweiten Weltkrieg 2,3 Millionen mal verliehen – und nicht immer für Taten, die heute als Voraussetzung zur Verleihung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit der Bundeswehr vorgesehen sind.

So gesehen hat der Verteidigungsminister eine gute Gelegenheit verpasst, den Keim für eine neue und bessere Tradition zu setzten.