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22.02.2008

Es tut sich was

Der Schriftzug „Arbeitsgericht“ steht noch am Gebäude Marktplatz 4 und das Wappen von Baden-Württemberg prangt am Briefkasten des „Hamburg-Mannheimer-Hauses“. Aber das Gericht befindet sich seit langem an der Simmlerstraße, in ehemaligen Räumen des Finanzamts.

Doch mittlerweile tut sich was im dritten Obergeschoss des in der Höllgasse gelegenen Geschäfts- und Bürogebäudes. Hier werden Bereiche des städtischen Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) zusammengeführt. Dessen Direktor, Christoph Dickmanns, wird dann im früheren Verhandlungsraum „residieren“.Nachdem die Räume renoviert und teilweise umgebaut wurden, sind jetzt die Möbelpacker dabei, sie einzurichten. Dabei stellen Passanten mit mehr oder weniger großer Verwunderung fest, dass dazu ein professioneller Umzugsdienst beauftragt wurde, um Kisten und anderes die kurze Strecke von der Östlichen 9 (Veranstaltungsmanagement) und vom Blumenhof (CityMarketing) zum Marktplatz 4 zu transportieren. Hätte das nicht auch die städtische Gesellschaft für Beschäftigung und Berufliche Eingliederung (GBE) mit ihrem Personal übernehmen können? Hätteschon, doch in der Abwägung zwischen GBE und einem professionellem Unternehmen hat sich die WSP für die Profis entschieden, lautet die Antwort aus dem Rathaus.So ein Umzug hat natürlich seinen Preis. Im Wirtschaftsplan 2008 der WSP sind beispielsweise 25000 Euro für Ersatzbeschaffungen beim Mobiliar aufgeführt. Vermerkt sind desweiteren 1500 Euro für Beschilderung am und im Gebäude. Dazu neben kleineren Summen für Geschirr, zwei Beamer, Datenshredder und Noticeboard (Schreibwand) auch 10000 Euro für Telefonapparate zum Anschluss an die städtische Anlage. Dazu kommen die Kosten für Umbau und Renovierung der Räume und eben die des reinen Umzugs – Beträge, deren Höhe nicht bekannt ist.Nicht genannt werden auch die Fördermittel, die die Stadt Pforzheim für zwei private Bauprojekte beisteuert. Ein Aushang zur Gemeinderatssitzung in dieser Woche ließ wissen, dass das Gremium nichtöffentlich beschlossen habe, die Sanierungsmaßnahme „Emma-Jaeger-Straße 7“ aus Sanierungsfördermitteln (Sanierungsgebiet Stadtmitte-Au II) zu bezuschussen. Es handelt sich hierbei um das frühere DGB-Haus bei der Auerbrücke, das offensichtlich einen privaten Käufer gefunden hat. Da es an exponierter Stelle steht, ist auch die Stadtverwaltung daran interessiert, dass hier eine qualitätsvolle Gestaltung vorgenommen wird.Auch für ein Neubauprojekt auf dem Grundstück Östliche Karl-Friedrich-Straße 30/Forststraße 3 gibt es Fördermittel, denn das Sanierungsgebiet Stadtmitte-Au II erstreckt sich bis zur Parkstraße. Hier soll ein Wohnhaus mit Laden entstehen, für das es aber noch keine Baugenehmigung vorliegt.Vor 15 Monaten, so der Investor, habe er die Pläne eingereicht. Doch es gab Einwendungen von Anliegerseite, insbesondere von der Stadtbau. Da diese eine fast 100-prozentige Tochter der Stadt Pforzheim ist, muss sich das Regierungspräsidium Karlsruhe mit der Angelegenheit befassenBei Bürgermeister Alexander Uhlig schlagen da zwei Herzen in seiner Brust. Bekanntlich ist er bemüht Lücken im Stadtbild zu schließen, auf der anderen Seite dürfe das aber nicht um jeden Preis geschehen. Sprich: eine bestimmte Qualität muss der Bau schon vorweisen, vor allem aber dem Baurecht genügen.Wegen des laufenden Verfahrens legt der Bau- und Planungsdezernent Wert auf die Feststellung, „dass das Vorhaben weder genehmigt noch abgelehnt ist“. Auch er harre der Entscheidung des Regierungspräsidiums.Wenn nun die städtische Sanierungsstelle schneller mit ihrer Genehmigung war als die mit dem Baurecht befassten Stellen, dann heißt das jedoch nicht, dass jetzt schon Geld fließt. Der Gemeinderat hat nämlich bei seinem positiven Beschluss gleichzeitig darauf abgehoben, dass der Fördervertrag erst nach der Baugenehmigung unterschrieben wird.Ein weiteres Sanierungsgebiet ist die Kaiser-Friedrich-Straße, kurz KF genannt, und ihr Umfeld. Benannt zur Erinnerung an Friedrich III. von Preußen (1831 bis 1888), der nach nur 99 Tagen Regentschaft als deutscher Kaiser an Krebs starb, wurde der östliche Teil 1890 angelegt. Nach der Eingemeindung Brötzingens (1905) wurde die Straße über die frühere Gemarkungsgrenze nach Westen verlängert und geschlossen bebaut. Die heutigen Wohnblöcke entstanden beim Wiederaufbau nach dem Luftangriff vom 23. Februar 1945.In den teilweise tristen Straßenfronten ragt natürlich das unter Denkmalschutz stehende Fabrikgebäude der Firma Gustav Rau heraus. Aber auch zwischen Hildebrandt- und Benckiserstraße fällt ein steinernes Gebäude auf, das früher von den Stadtwerken als Wasserwerk genutzt wurde.Groß war der Aufschrei der Anlieger, als es einst Überlegungen gab, hier das autonome Jugendzentrum „Schlauch“ unterzubringen. Dass das Gebäude weiterhin leer steht, hat ihm nicht gut getan, dient es doch zeitweise Stadtstreichern als Unterkunft. Und die haben schlimm gehaust. Mittlerweile sind Fenster und Türen zugenagelt. Derweil wird darüber diskutiert,was mit dem Haus geschehen soll. Es geht in Richtung eines Projekts soziale Stadt“, verlautet aus dem Rathaus. Konkretes sei aber noch nicht im Gespräch.Thomas Frei