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03.03.2011

Facebook-Freunde

Es gibt Tage, da denke ich über einen Schritt nach, der irreal – ja, unmöglich erscheint für einen jungen Menschen. Es gibt Tage, da denke ich darüber nach, Facebook den Rücken zu kehren. Mich abzumelden. Unwiderruflich.

Wie komme ich auf solchen Wahnsinn? Auf einen Selbstmord der sozialen Identität – zumindest virtuell? Naja, ich beobachte eine Entwicklung, die mich mit Ekel erfüllt: Facebook wird von vielen jungen Menschen vor allem als sozialer Pranger benutzt. Es geht nicht um soziale Interaktion oder digitale Selbstverwirklichung – es geht einzig und allein darum, über andere zu lästern.

Es geht auch nicht um Mut. Nicht um den Mut, eine (unterdrückte) Wahrheit auszusprechen – wie in arabischen Diktaturen, wo die unterdrückte Jugend via Facebook gesellschaftliche Revolutionen anzettelt und Demokratie einfordert. Bei der deutschen Jugend dreht es sich beim täglichen Gang auf Facebook vielmehr darum, sich für alltägliche Lästerei Lob in Form von „Likes“ abzuholen von den ebenso lästerlustigen Freunden. Das Lästern wird dann auch gerne zum demokratischen und längst überfälligen Meinungsbeitrag aufgebläht – frei nach dem Motto: „Ein Mutiger musste ja mal die Wahrheit sagen.“ Nur erfüllen diese Meinungsäußerungen komischerweise stets zwei Anforderungen: Sie besitzen a.) Lästerpotenzial und werden b.) von den meisten der eigenen Freunde getragen.

Und dann denkt dieser Teil der Facebook-Jugend, es sei mutig, laut seine Läster-Meinung zu sagen, wenn man dabei eine Masse, die diese Meinung teilt, im Rücken hat. Ja, seine Mainstream-Meinung herauszuschreien – das ist total mutig. Todesmutig. Etwa so mutig, als wenn man dieser Tage nach Ersingen geht und ruft „Ersicho helau“ und zivil couragiert hinzufügt: „Ich liebe Fasnet.“