


Es hat sich herumgesprochen, dass in Pforzheim die Fußballfans zu feiern verstehen. Kein Wunder, dass ein SWR-Fernsehteam im Pforzheimer Enzauenpark filmte, dort, wo auch TV-BW, die Videokollegen von PZ-news, seit Turnieranfang die Kameras laufen lassen, um die besondere Atmosphäre des Public Viewings einzufangen. Doch die Bilder, die kurz vor Mitternacht in der ARD über den Fernsehbildschirm flimmerten, zeigten keine jubelnden, sondern frustrierte, weinende Fans. Italien hat Deutschland aus der Euro 2012 geschmissen und ihnen den Weg ins Finale mit zwei Balotelli-Toren verwehrt. Nach dem Spiel jubelten und provozierten italienische Fans in Pforzheim, aber brutale Zusammenstöße gab es nach ersten Polizeiinformationen nicht.
Eine gefährliche Körperverletzung fand bereits vor Spielbeginn statt. Am Leopoldplatz soll ein Unbekannter in einen zum Enzauenpark fahrenden Fanbus der SVP Pfefferspray gesprüht haben. Der Busfahrer konnte jedoch nach dem Lüften des Busses seine Fanfracht doch noch zum Public Viewing kutschieren. Eine Körperverletzung im Enzauenpark und sechs weitere im Umfeld hat die Polizei noch verzeichnet, dazu zwei Beleidigungen gegenüber Polizisten und zwei Widerstandshandlungen. Am Ende teilten die Beamten acht Platzverweise aus und nahmen drei randalierende Fans vorläufig fest.
Einen Zusammenstoß zwischen deutschen und italienischen Fans gab es im Enzauenpark zu verzeichnen. Laut Polizeiangaben spielte ein Anhänger der Squadra Azzurra auf einer Trommel, wodurch sich viele Deutschland-Fans provoziert fühlten. Der Aufforderung eines deutschen Fans, das Trommeln zu unterlassen, kam er nicht nach, woraufhin sich die Stimmung zwischen den beiden Streithähnen so weit aufheizte, dass der Italiener den Deutschland-Fan mit seinen Trommelschlägern attackierte.
Die Antwort folgte prompt. Ein Faustschlag ins Gesicht des Trommlers brachte ihn zu Fall. Der Italiener, anfangs selbst noch Täter, wurde schnell zum Opfer, da mehrere Schläge von weiteren Fans auf den ohnehin schon am Boden Liegenden folgten. Die Security konnte schnell eingreifen und beide Querulanten fesseln und anschließend der Obhut der Polizeibeamten übergeben.
Negativer Höhepunkt: Ein Polizist wurde leicht verletzt. Aus einem Pulk italienischer Fan heraus wurde einem Beamten eine volle Bierflasche an den Helm geworfen. Das hätte auch schlimmer ausgehen können. Insgesamt aber hatte die Polizei die Lage gut im Griff. Man habe aus dem Fantreiben der vergangenen Jahre gelernt, erklärte Polizeisprecher Frank Otruba. So seien mit über 90 Kräften genügend Polizisten im Einsatz gewesen - und die Stadtbusse seien nicht gefahren. Bei der WM waren sie noch Ziel von Randalierern.
Nach dem Spiel galt es vor allem, die italienischen Fans davon abzuhalten, sich mit deutschen Fans zu prügeln. Mehrmals hätten größere Fangruppen versucht, die gegenüber dem Hauptbahnhof trauernden Anhänger der unterlegenen deutschen Nationalelf zu provozieren. Doch die Polizei trennte jedes Mal die Streithähne. Um 22.55 Uhr gab es in "Schloßkeller"-Nähe ein erstes deutsch-italienisches Duell mit Schlachtrufen. Auch danach war dieser Bereich noch mehrmals Ziel von italienischen Fangruppen, die laut Polizei die Auseinandersetzung mit dem Fanblock der Frustrierten gesucht haben.
Vom Bereich Goethestraße/"Schlössle-Galerie" bis zum östlichen Ende der Fußgängerzone feierten die italienischen Fans. Schnell waren es 500, dann 1000 Fans, die über den Leopoldplatz zogen, an den Enden der Fußgängerzone oder auf der Zerrennerstraße den Verkehr blockierten oder Freudentänze rund um einen Ferrari aufführten.
Einen richtig großen Autokorso habe es in Pforzheim nicht gegeben, obwohl einzelne Autos laut hupend und mit Fahne schwenkenden Mitfahrern rund um die Innenstadt gefahren sind. Da lief es in Mühlacker schon eher rund. Dort zählte die Polizei 50 Fahrzeuge mit 120 Personen, die einen Korso gebildet haben.
Mehr zu zählen gab es für die Polizei bei den Public Viewings. Rund 7000 Menschen sollen das EM-Halbfinale im Enzauenpark verfolgt haben, 1000 auf dem Kelterplatz in Mühlacker. Rund 600 Menschen erlebten die 1:2-Niederlage von Löws Buben in Knittlingen und im "Palm Beach" in Pforzheim. 350 sollen es im "Schloßkeller", 150 im "Kulturhaus Osterfeld", 100 im "Centro Culturale Italiano" gewesen sein.
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Autor: tok






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Leserkommentare (18)
Mehr KommentareDas Bsp. ital. Fans in D zeigt eindeutig, dass viele hier nicht angekommen sind. Es wird Zeit das einzugestehen. Arbeiten, leben, ev, auch Sozialhilfe von den Deutschen beziehen, klar, aber der Rest ist eigentlich wie vor 40 Jahren. In den USA undenkbar. Wenn italenische " Fans" dt. Polizisten bewerfen, dann ist das eine Unverschämtheit sondersgleichen. Je mehr wir Verständnis für Jeden und Alles beweisen, um so mehr legt man uns das als Schwäche aus. Was ist ein Fussballspiel. Nonsens, ...... mehr...
Kann es sein,daß wir alle im falschen Land sind?Wäre es umgekehrt,wir feiern in Italia.Da gäbe es eine Völkerschlacht. mehr...
@roger @Planet2 Das ist ja nun eine denkbar ungünstige Stelle, um ein wenig Ausländerhetze zu betreiben. Dass Fussball allerorten schnell mal zu Aggressionen führt, ist wohl ausreichend bekannt. In Wolfsburg wurden italienische Fans angegriffen, http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article2322943/Ausschreitungen-in-Wolfsburg-nach-deutschem-EM-Aus.html http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article107301554/Polizei-nimmt-17-Personen-auf-der-Berliner-Fanmeile-fest.html in ...... mehr...