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Aleppo ist als eine der größten Städte des Landes strategisch und symbolisch wichtig. Foto: Sana
Aleppo ist als eine der größten Städte des Landes strategisch und symbolisch wichtig. Foto: Sana
30.11.2016

Fast 70 000 Menschen in Aleppo auf der Flucht

Aleppo (dpa) - Die Zahl der Toten und Flüchtlinge in der umkämpften nordsyrischen Großstadt Aleppo steigt dramatisch. Durch Kämpfe in den Rebellenvierteln der Metropole und Luftangriffe wurden allein in den vergangenen Tagen fast 70 000 Menschen vertrieben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.Mindestens 26 Zivilisten, darunter mehrere Kinder, starben in Ost-Aleppo durch Artilleriebeschuss. Dutzende wurden verletzt. Die Menschenrechtler und Aktivisten machten das Regime für den Angriff verantwortlich.

Rettungshelfer berichteten, bei dem Beschuss des Stadtteils Dschubb al-Kubba seien 45 Menschen getötet worden. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die in Stadtteile unter Kontrolle der Regierung fliehen wollten, sagte Abdel Rahman Hassan von der Organisation Weißhelme. Fotos der Helfer zeigten Leichen, die neben Gepäckstücken auf der Straße lagen. Am Dienstag waren bei einem Luftangriff zehn Menschen auf der Flucht getötet worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete zudem, bei Artilleriebeschuss von «Terrororganisationen» auf Viertel unter Kontrolle der Regierung im Westen Aleppos seien acht Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch zwei Kinder.

Syriens Armee und verbündete Milizen hatten in den vergangenen Tagen bei heftigen Kämpfen mehr als ein Drittel des Rebellengebietes im Ostteil Aleppos eingenommen. Am Mittwoch hätten Regimeanhänger auch von Süden aus eine Front in die Rebellengebiete eröffnet, berichteten die Menschenrechtsbeobachter. Während die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, die Armee habe den Stadtteil Scheich Said vollkommen eingenommen, erklärte die Rebellenmiliz Nur al-Din al-Sinki, die Regimegegner hätten den Angriff abgewehrt.

Einwohner aus

Aleppo berichteten, unter den Menschen herrsche Panik und Verzweiflung. Vor der aktuellen Offensive lebten nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 250 000 Menschen in den Rebellengebieten im Osten der Stadt. Die neben Damaskus größte Stadt des Landes gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im

fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg.

Nach Angaben der Menschenrechtler suchten in den vergangenen Tagen mehr als 30 000 Zivilisten in Gebieten unter Kontrolle kurdischer Einheiten Zuflucht, etwa 20 000 in Vierteln des Regimes. Mehr als 15 000 Zivilisten seien zudem in andere Rebellenviertel im Südosten Aleppos geflohen, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Er berichtete außerdem von Hunderten Menschen, die nach der Flucht in Regimegebiete festgenommen und verhört worden seien. Während viele wieder freigelassen worden seien, sei das Schicksal von mindestens 300 von ihnen bislang unbekannt. Viele oppositionelle Aktivisten haben Angst vor Racheakten, sollten sie in die Hände des Regimes fallen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte am Dienstag vor willkürlichen Festnahmen durch das Regime gewarnt.

Das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bezifferte die Zahl der in den vergangenen drei Tagen Vertriebenen auf rund 20 000 Menschen. Bei der Mehrheit handele es sich um Familien mit Kindern. Sie kämen teilweise in Moscheen, Schulen, Zelten und halb fertigen oder zerstörten Gebäuden unter. Die Lebensmittelvorräte seien gering, die Preise in die Höhe geschossen. So koste ein Kilo Zucker 21 US-Dollar (rund 20 Euro).