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24.10.2008

Finanzkrise lässt den Auto-Absatz einbrechen

Es könnte noch knüppeldick kommen für die deutschen Autokonzerne in diesem Jahr: Zunächst waren es vor allem die explodierenden Spritpreise, die den deutschen und den für den Export so wichtigen europäischen Autofahrern die Lust auf einen neuen Wagen nahmen. Und als Benzin und Diesel wieder billiger wurden, schlug die Finanzkrise zu. Am Aktienmarkt leiden Autowerte wie MAN, Daimler, BMW und VW besonders stark. Nach Daimler haben auch die französischen Autobauer Peugeot und Renault ihre Gewinnerwartungen heruntergeschraubt. Und die schwedische Lkw-Schmiede Volvo kürzte ihre Prognose für den europäischen Lkw-Markt. Der Auftragseingang des Unternehmen tendiert gegen Null. Insgesamt gingen im dritten Quartal 2008 die Aufträge in Westeuropa um rund zwei Drittel zurück.

Mit Vollgas in die Krise

So ganz unerwartet kommt die Krise jedoch nicht. Seit geraumer Zeit schon steuern die Hersteller einen Schlingerkurs: Sie haben sich überholen lassen von der vorhersehbaren Klima-Debatte und den anziehenden Rohstoff- und Ölpreisen. Öko-Auflagen und die drohenden Strafzahlungen in der EU setzen die Hersteller, die jetzt Milliarden in umweltfreundliche Technologien und Alternativantriebe investieren müssen, zusätzlich unter Druck.

Hinzu kommt, dass die Auto-Krise nahezu alle wichtigen Märkte erfasst hat. In Westeuropa wurden im September neun Prozent weniger neue Pkw zugelassen als im September 2007. Dramatisch sind die Einbrüche vor allem in Spanien und Großbritannien. In Spanien, wo die Immobilienkrise besonders spürbar ist, war im Sommer der Markt gar um 40 Prozent eingebrochen. Von den Hoffnungsmärkten funktioniert vielleicht noch Russland. Selbst China und Indien erfüllen die hoch gesteckten Erwartungen nicht. Geländewagen und Limousinen werden weltweit zu Ladenhütern, auch Luxusmarken gehen nicht mehr so gut.
Experten rechnen nicht vor 2010 mit einer Erholung. Das heißt, auch nächstes Jahr wird der europäische Automarkt kleiner werden. Die daraus erwachsenden Absatzprobleme werden auch an den deutschen Autoherstellern nicht spurlos vorbeiziehen. Sie können aber versuchen, in diesem schrumpfenden Markt ihre Anteile auszubauen. Doch Verkaufserfolge am Markt und damit sichere Arbeitsplätze am Fließband gibt es nur für Hersteller mit der besten Produktpalette.
Da aber sind auch mit Blick auf den Klimawandel und den Zwang zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes Zweifel angebracht, ob die deutschen Hersteller mit ihrem Hang zu eher großvolumigen Modellen noch die richtigen Autos im Programm haben. Ihr verbissener Lobbyismus in Brüssel, mit dem sie eine Verwässerung der geplanten strengeren Abgasvorschriften durchsetzen wollen, spricht eher für das Gegenteil.