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26.09.2008

Finanzkrise und die Folgen für Deutschland

Staatliche Banken sind unter besonderen historischen Umständen in Deutschland entstanden. Aber ihre Zeit neigt sich dem Ende entgegen, so wie in den achtziger Jahren die Zeit für die Unternehmerambitionen der Gewerkschaften mit dem Verkauf ihrer Konsum-Supermärkte und der „Neuen Heimat“ abgelaufen war. Banken in Staatseigentum sind genauso wenig zu rechtfertigen, wie es ein staatlich betriebenes Automobilunternehmen oder eine dem Staat gehörende Brotfabrik wären.

Und in der globalen Finanzkrise liegt jetzt die Chance, sämtliche Landesbanken zu einem großen, privatwirtschaftlich betriebenen Geldhaus zu vereinen – und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, vor allem wirksamer zu schützen vor Bankendesaster in Übersee.

Zwei entschiedene Schritte wären dazu nötig: Jene Landesbanken, die bis jetzt noch in der traditionell öffentlich-rechtlichen Form betrieben werden, müssten zunächst in Aktiengesellschaften umgewidmet werden – dazu gehört auch die größte, die baden-württembergische LBBW, die sich ohnehin schon als Ordnungsmacht über alle Landesbanken versteht. Danach sollte aus den acht noch verbliebenen Unternehmen ein einziges gemacht und entsprechend am Kapitalmarkt platziert werden. Der Erlös aus dem Deal wäre – ganz nebenbei – auch eine kräftige Finanzspritze für die überschuldeten öffentlichen Haushalte.

Die Regierungschefs der Länder könnten, wenn sie die politische Kraft zu einem derartigen gemeinsamem Schritt fänden, beste Wirtschaftsgeschichte schreiben. Mit einem Schlag würden sie Deutschland in die Spitze der internationalen Bankenszene befördern, wo das Land nur noch mit der Deutschen Bank vertreten ist. Und nicht mal die rangiert auf den vorderen Plätzen. Alle Landesbanken würden zusammengeschlossen eine Bilanzsumme ausweisen wie kein zweites Bankhaus in der Welt. Gemeinsam bringen sie es auf 1,8 Billionen Euro, also deutlich mehr als die britische HSBC (1,4 Billionen) oder die Deutsche Bank (1,2 Billionen).

Es geht aber um mehr als die Präsenz an den großen Finanzmärkten – was schon wichtig genug wäre. Es geht darum, ein global tätiges, großes Geldhaus zu bauen, das seinen Sitz in Deutschland hat und eng mit der hiesigen Industrie verdrahtet ist. LBBW-Chef Siegfried Jaschinski hat Recht, wenn er einen „nationalen Champion“ im Bankwesen fordert. „Wir sollten uns gut überlegen“, sagte Jaschinski einmal im kleinen Kreis, „ob wir es zulassen wollen, dass ein Kreditausschuss in New York oder London über die Entwicklung unserer Industriekonzerne entscheidet.“ Ob die Ministerpräsidenten allerdings bereit sind, damit auch ein Stück Macht abzugeben, ist unwahrscheinlich – die Chance dieser Krise zu nutzen, damit auch.